Optionsschein: 6 Tipps & wichtige Infos zum Handel

Eine Spekulation mit einem Optionsschein ist eine Variante des Börsengeschäfts. Ursprünglich wurde ein Optionsschein in Verbindung mit einer Optionsanleihe herausgegeben. Mit beiden kann unabhängig voneinander an der Börse gehandelt werden. Abhängig vom Optionsschein berechtigt dieser innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes Aktien, Rohstoffe, Anleihen oder Indizes zu einem festgelegten Preis zu beziehen. Aufgrund dieses Rechtes kann der Schuldner die Anleihe etwa ein bis 2 % günstiger am Kapitalmarkt anbieten.

Was ist ein Optionsschein?

Ein Optionsschein ist der Klassiker für Privatanleger unter den Hebelprodukten. Der Reiz liegt für den Privatanleger in der Hebelwirkung, denn bei überdurchschnittlichen Bewegungen eines Basiswertes kann der Anleger hiervon mit einem besonders geringen Investment profitieren. Mögliche Basiswerte sind:

  • Aktien
  • Rohstoffe
  • Indizes
  • Anleihen
  • Währungen

Dadurch ist es auch mit geringem Kapitaleinsatz möglich, höhere Gewinne zu generieren. Dieser Vorteil kann sich allerdings auch schnell zu einem Nachteil wandeln, denn der Hebel kann genauso in die gegenteilige Richtung wirken, wodurch sehr hohe Verluste entstehen. Damit die Verluste möglichst klein gehalten werden und eine maximal mögliche Gewinnerzielung generiert werden kann, sollten Anleger mit einer durchdachten Strategie im Handel mit einem Optionsschein unterwegs sein. Bewährt hat sich zum Beispiel die sogenannte Trendbrief-Trendfolge.

Bei einem Optionsschein handelt es sich grundsätzlich um ein Recht, welches gehandelt werden kann. Das ist auch der gravierende Unterschied, der einen Optionsschein von einer Aktie abgrenzt. Aktien sind hingegen direkte Beteiligungen am Vermögen von Unternehmen. Mit einem Optionsschein ist der Inhaber berechtigt, einen bestimmten Basiswert in einem bestimmten Bezugsverhältnis zu einem bestimmten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen. Der Kauf wird auch mit Call bezeichnet, während der Verkauf Put heißt.

Die Merkmale von einem Optionsschein

Ein Optionsschein kann anhand von vier grundsätzlichen Merkmalen definiert werden:

  1. Basiswert: Angabe, ob sich der Optionsschein auf eine Aktie, einen Index, eine Anleihe oder eine Devise bezieht
  2. Bezugsverhältnis: Das Bezugsbehältnis gibt an, wie viele der Optionsscheine für das Recht erforderlich sind. So drückt zum Beispiel ein Bezugsverhältnis von 100 zu 1 aus, dass der Kauf von 100 Optionsscheinen erforderlich ist, um einem Basiswert zu kaufen.
  3. Basispreis: Der Basispreis wird auch Ausübungspreis genannt und gibt an, zu welchem Wert der Inhaber des Optionsscheins diesen kaufen oder verkaufen kann
  4. Laufzeit: Die Laufzeit grenzt die Zeitspanne ein, in der das Recht gilt. In diesem Punkt unterscheiden sich europäische und amerikanische Optionsscheine. Denn bei einem europäischen Optionsschein ist das Bezugsrecht nur am Ende der Laufzeit ausübbar. Bei amerikanischen hingegen kann das Recht jederzeit und somit auch während der Laufzeit wahrgenommen werden

Das Recht kann entweder als Barausgleich oder auf physischen Weg ausgeübt werden. Letzteres bedeutet, dass dem Inhaber des Optionsscheins zum Beispiel tatsächlich Aktien geliefert werden. Der Barausgleich hat sich aufgrund der deutlich einfachen Handhabung durchgesetzt, hier wird bei Ausübung des Rechts der Differenzbetrag ausgezahlt. Wer mit Optionsscheinen handeln möchte und echtes Geld investieren, sollte zunächst einmal auf einem Demo-Konto Erfahrung sammeln. Außerdem ist ein Depot bei einer Bank erforderlich. In einem Demo-Depot kann das Geschick mit Spielgeld risikolos getestet werden.

Wie funktioniert ein Call Optionsschein?

Wie wir zuvor erläutert haben, bedeutet ein Call Optionsschein einen Kauf. In der Praxis läuft das so ab, dass ein Händler zum Beispiel einen Optionsschein auf die Aktie X erwirbt, die derzeit mit 100 € im DAX notiert. Unser Beispielsoptionsschein berechtigt seinen Inhaber, eine Aktie des Unternehmens X zum Preis von 100 € im Verhältnis eins zu eins und bis zum 30. September 2017 zu kaufen. Dabei ist die Aktie X der Basiswert, die 100 € sind der Basispreis, das Verhältnis eins zu eins ist das Bezugsverhältnis und der 30. September 2017 die Laufzeit des Optionsscheins. Damit der Käufer vom Optionsschein dieses Recht erwirbt, zahlt er zum Beispiel eine Optionsprämie in Höhe von 15 €.

Sein Recht kann er nur bis zum 30. September 2017 ausüben. Damit das Geschäft für den Investor lukrativ ist, wird er sein Kaufrecht allerdings nur dann ausüben, wenn zu diesem Zeitpunkt die Aktie über 100 € im DAX notiert. Das Recht ist umso lukrativer, je höher der Aktienkurs zum Ende der Laufzeit ist. Die Differenz zwischen dem Kurs an der Börse zum Ende der Laufzeit und dem vereinbarten Basispreis ist der Betrag, der erzielbar ist, wenn der Call Optionsschein ausgeübt wird. Diese positive Differenz wird auch als innerer Wert bezeichnet und solch eine Option liegt „im Geld“. Steigt unsere Aktie X aus dem Beispiel beispielsweise auf 140 € am 30. September 2017, so errechnet sich ein innerer Wert von 40 € (140 € -100 €).

Fällt hingegen der Aktienkurs unserer X Aktie unterhalb von 100 € an der Börse, so wäre für den Inhaber vom Optionsschein der Bezug der Aktie direkt bei der Bank günstiger als mit dem Optionsschein. In solch einem Fall – wenn der Börsenkurs unterhalb vom Basispreis notiert – wird auch davon gesprochen, dass sich der Optionsschein „aus dem Geld“ befindet. Wäre in unserem Beispiel der Kurs Ende September auf 80 € gefallen, so wird der Händler sein Optionsrecht verfallen lassen und stattdessen die Aktie an der Börse erwerben.

Optionsprämie hat Einfluss auf den Gewinn

Ob tatsächlich mit einem Call Optionsschein Gewinn erzielt wird, ist aber auch von der Optionsprämie abhängig. In unserem Beispiel beträgt sie 15 € und mit einem inneren Wert von 40 € ist sie somit gut abgedeckt. Anders würde es aussehen, wenn der Kurs zum 30. September 2017 bei 110 € liegen würde. Denn dann würde sich der Call Optionsschein zwar im Geld befinden, aber die Optionsgebühr von 15 € wäre damit nicht gedeckt. Somit müsste in unserem Beispiel der Kurs zum Laufzeitende mindestens 115,01 € betragen, damit sich die Ausübung des Optionsscheins für den Anleger lohnt. An unserem Beispiel ist ersichtlich, dass sich der Verlust lediglich aus der Optionsprämie – in unserem Fall 15 € – errechnet. Somit ist der Handel von Optionsscheinen ein relativ risikoloses Investment.

Wie funktioniert ein Put Optionsschein?

Ein Put Optionsschein ist das Gegenstück zu einem Call Optionsschein und adresiert den Verkauf. Auch hier bleiben wir bei unserem Beispiel der Aktie X die zu folgenden Optionen gehandelt wird: in unserem Beispiel berechtigt der Put Optionsschein seinen Inhaber, die Aktie X zu einem Basispreis von 100 € und einem Bezugsverhältnis von eins zu eins bis zum 30. September 2017 Laufzeit zu verkaufen. Hierfür wird eine Optionsprämie in Höhe von 15 € fällig. In diesem Fall wird der Inhaber des Optionsscheins sein Recht nur dann ausüben, wenn der Kurs an der Börse unterhalb von 100 € notiert. Auch hier gilt: je niedriger der Börsenkurs, desto wertvoller ist der Optionsschein.

Gibt es eine positive Differenz zwischen dem Kurs zum Laufzeitende und dem Basispreis, wird auch hier vom inneren Wert gesprochen. Fällt in unserem Beispiel die Aktie auf 80 €, dann liegt der innere Wert im Geld und er beträgt 20 € (100 € minus 80 €). Liegt zum 30. September 2017 der Kurs oberhalb vom Basispreis, so liegt der Put Optionsschein aus dem Geld. In diesem Fall wird der Inhaber vom Optionsschein sein Optionsrecht nicht ausüben. Auf den Gewinn hat auch hier die Optionsprämie Einfluss. In unserem Beispiel beträgt sie 15 €, wodurch der Kurs mindestens auf 84,99 Euro sinken muss, damit die Ausübung des Rechts gewinnbringend ist. Denn der Kapitaleinsatz hat 15 € betragen (100 € minus 84,99 Euro minus15 € ergibt 0,01 € Gewinn). Wie bei einem Call Optionsschein begrenzt sich der Verlust auf die Höhe der Optionsprämie, was in unserem Beispiel 15 € ist.

Wann lohnt es sich, mit Optionsscheinen zu handeln?

Optionsscheine sind deshalb so interessant, weil eine Spekulation mit einem Optionsschein für den Anleger sehr lukrativ ist, da sich die Gewinne in der Regel im Verhältnis zum Investment überproportional auswirken. Denn anstatt in unserem obigen Beispiel die Aktie X zu einem Bezugspreis von 100 € beziehen zu müssen, kann der Trader sich das Recht dafür mit einem geringen Investment von nur 15 € für die Optionsprämie kaufen. Somit liegt bei dem Call Optionsschein, der zu einem Kurswert von 140 € ausgeübt wurde, das Verhältnis von Gewinn zum Einsatz bei mehr als 260 %. Bei einem Aktienkauf in Höhe von 100 € würde das Verhältnis nur bei 40 % liegen.

Der Händler hat in unserem Beispiel 40 € weniger zu zahlen, als wenn er die Aktie sofort gekauft hätte. Dies wird auch Hebelwirkung genannt, denn wegen des geringen Kapitalaufwands ist der Gewinn – aber auch das Risiko – im Verhältnis prozentual stärker als der Wert des Basiswerts. Somit kann man mit einem Optionsschein bei einem Handel die gleiche Wirkung mit deutlich geringerem Kapitaleinsatz erzielen. Da hierfür somit eine geringere Kraftanstrengung erforderlich ist, ist die Hebelwirkung bei gleichem Kapitaleinsatz deutlich größer als bei einer direkten Anlage in der Aktie. Die Hebelwirkung kann ganz einfach errechnet werden:

  • Hebelwirkung = Kurs des Basiswerts / (Bezugsverhältnis x Optionsscheinkurs)

In dem Beispiel von unserem Call Optionsschein beträgt die Hebelwirkung 1,4 (140 € / (1 x 100 €). Die Faustregel sagt: je größer der Hebel, desto größer auch die Wirkung vom Optionsschein.

Wie den richtigen Optionsschein finden?

In unserer folgenden Tipp-Checkliste erläutern wir, wie der passende Optionsschein gefunden wird.

1. Tipp: Basiswert suchen

Auch wenn die Optionsprämie niedrig ist und der Hebel noch so groß: bewegt sich der ausgewählte Basiswert nicht in die vorhergesagte Richtung, geht der Optionsschein nicht im Geld aus. Daher muss ein Basiswert gefunden werden, der auch ein deutliches Kurspotenzial besitzt. Alleine im DAX gibt es mehr als 5000 unterschiedliche Optionsscheine.

2. Tipp: Kursziel festlegen

Wurde ein aussichtsreicher Basiswert gefunden, dann muss sich der Trader überlegen, welches Kursziel er in den festgesetzten Zeitraum vermutlich erreichen wird.

3. Tipp: Laufzeit wählen

Bei der Wahl von einem Optionsschein müssen Trader eine ziemlich genaue Vorstellung haben, wie weit der von ihnen gewählte Basiswert in der gewählten Laufzeit fallen oder steigen wird. Bei der Auswahl fallen dann bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einem möglichen Kursziel von 7000 Punkten all diejenigen Optionsscheine aus der Auswahl heraus, deren Break Even oberhalb von 7000 Punkten liegt. Mit solchen Filtern können Optionsscheine gut eingegrenzt werden.

4. Tipp: Volatilität berücksichtigen

Die erwarteten Schwankungen (Volatilität) sollten bei dem ausgewählten Basiswert nicht zu hoch sein, denn sonst ist der Optionsschein zu teuer. Aus dem Grund lohnen sich besonders Hebelwerte, bei denen die Volatilität keine Rolle spielt.

5. Tipp: Kursziel bestimmen

Nicht immer lohnt es sich, einen Optionsschein sofort nach Erreichen des Kursziels zu verkaufen. Vielmehr müssen Trader analysieren, ob der Kurs ausgereizt ist. Manchmal gibt es einige neue Fakten, zum Beispiel ein positives Geschäftsergebnis oder einen großen neuen Kunden, die dafürsprechen, dass der Kurs künftig weiter steigen wird. Liegen allerdings keinerlei neue Informationen vor und gibt es auch ansonsten keine Dinge, die dafürsprechen, dass der Kurs weiter steigen wird, sollte der Wert verkauft werden. Im anderen Fall lohnt es sich, den Optionsschein weiter zu halten.

6. Tipp: Risiko eingrenzen

Es hat sich bewährt, nach Kauf eines Optionsscheins eine Stop-Loss-Marke zu setzen, damit das Risiko begrenzt werden kann. Abhängig von der aktuellen Situation am Markt, der Höhe des Hebels und der persönlichen Risikoneigung, sollte der Puffer und somit der Abstand zum aktuellen Kurs bis zur Stop-Loss-Marke bei rund 20 % bis 30 % liegen. Außerdem gilt: niemals alles auf einen einzigen Optionsschein setzen! Stattdessen empfehlen Experten, bei Optionsscheinen einen maximalen Anteil im Depot in Höhe von rund 10 % zu halten. Diese 10 % sollten dabei auf mehrere Scheine verteilt werden. Denn bei jedem Handel mit Wertpapieren gilt: oberstes Gebot ist die Streuung des Risikos!


Bildnachweis: © unsplash.com – Chuttersnap

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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