Optionen verkaufen: vor oder nach dem Ex-Dividend-Date?

Für viele Investoren sind Optionen und Optionsscheine eine Investmentwette auf steigende oder fallende Kurse. So lassen sich Comeback Stories nach der vorausgesehenen Kurserholung wirkungsvoll in Gewinne umsetzen, indem man genau dann die Optionen verkauft und die Gewinne realisiert.

Absehbare bärische Entwicklungen lassen sich ebenso einfach für Zuwachs im Depot nutzen. Allerdings ist schon so mancher Investor über die Sache mit den Dividenden gestolpert. Wie man über Dividenden stolpern kann?

Timing ist alles: Optionen stets zum richtigen Zeitpunkt verkaufen

Ist es nicht trivial? Meine Call-Optionen verkaufe ich, wenn mein zugrundeliegender Basiswert um 10 oder 15 Prozent gestiegen ist. Damit fahre ich einen satten Kursgewinn ein. Mehr muss ich nicht wissen – oder doch?

„Doch!“ lautet hier die korrekte Antwort auf die Frage.

Die Dividende ist das Problem

Dividenden stellen für einen Investor in aller Regel kein Problem, sondern eher einen Anlass zur Freude dar. Man streicht sie ein und gönnt sich zur Belohnung für das gut gewählte Investment einen neuen Sportwagen.

Just im Falle der Optionen können Dividenden allerdings zur gefährlichen und kostspieligen Falle werden, wie auch Pit Wilkens von DeltaValue kürzlich sehr präzise beschrieben hat. Doch was genau passiert hier?

Im Folgenden betrachten wir das Timing genauer. Zur Präzisierung sei angemerkt, dass wir uns hier auf das zugrundeliegende Finanzinstrument der Aktie beziehen.

Ist es nicht trivial? Meine Call-Optionen verkaufe ich, wenn mein zugrundeliegender Basiswert um 10 oder 15 Prozent gestiegen ist. Damit fahre ich einen satten Kursgewinn ein. Mehr muss ich nicht wissen – oder doch? ( Foto: Shutterstock-_Foxy burrow )

Ist es nicht trivial? Meine Call-Optionen verkaufe ich, wenn mein zugrundeliegender Basiswert um 10 oder 15 Prozent gestiegen ist. Damit fahre ich einen satten Kursgewinn ein. Mehr muss ich nicht wissen – oder doch? ( Foto: Shutterstock-_Foxy burrow )

Dividenden-Timing: diese Tage sollte man im Auge behalten

  1. Das Erklärungsdatum
    Das Erklärungsdatum oder Declaration-Date berührt die Risiken nicht. An diesem Tag wird die vorgeschlagene Dividende vom Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft genehmigt. Nun steht fest, dass es zur Dividendenausschüttung kommen wird.
  2. Das Ex-Datum
    Der Ex-Tag hat Auswirkung auf die der Option zugrundeliegende Aktie. Am Tag nach dem Ex-Tag wird die Aktie des Unternehmens zumeist mit einem Abschlag gehandelt. Dieser Abschlag rührt daher, dass ein Aktionär keinen Anspruch mehr auf die Zahlung der Dividende hat, wenn er das Papier erst an diesem Tag erwirbt. Der Abschlag liegt in aller Regel in der Höhe der Dividende.

    In Deutschland liegt der Fall leicht anders, sollte also auch betrachtet werden. Hier liegt der Ex-Date auf dem Tag, welcher der Hauptversammlung folgt.

  3. Der Dividendenstichtag
    Auf diesen Stichtag werden wir im Nachgang noch ausführlicher zu sprechen kommen. Zunächst sei zur Erklärung hier angemerkt, dass an diesem Tag festgestellt wird, wer die Aktien besitzt und somit berechtigt ist, die Zahlung der Dividende zu erhalten. Hier zählt der Handelsschluss als Stichzeitpunkt.

    Am Beispiel des Aktienhandels in den USA kann man hier ein klares Timing erkennen. Dort werden Aktiengeschäfte nämlich in aller Regel innert drei Werktagen abgeschlossen, was die Lieferung des Papiers, also den Eigentumsübergang an den neuen Besitzer einschließt.Will ein Investor in den USA also den Anspruch auf die Zahlung der Dividende erhalten, muss er das Papier drei Tage vor dem Dividendenstichtag (hier Record-Date genannt) erwerben, damit er das Papier am Dividendenstichtag auch sicher besitzt.

    Der Ex-tag für US-Aktien liegt daher zumeist zwei Tage vor dem Dividendenstichtag, da ab diesem Tag zeitlich kein Erwerb mehr möglich ist, der zur Berechtigung zum Erhalt der Dividende führen kann.In Deutschland betrachten wir den Stichtag differenziert: hier liegt er nämlich 21 Tage vor der Hauptversammlung. Der Stichtag hat hier auch Einfluss auf Wahrnehmung von Stimmrechten an der Hauptversammlung, wie dies im Aktiengesetz festgeschrieben ist.

  4. Der Auszahlungstag
    In den USA wird dieser Tag auch Payment Date oder Value Date genannt. An diesem Tag wird die Dividende physisch ausgeschüttet und an den Investor ausgezahlt. Auch dieser Tag wird im Weiteren unseres Artikels nochmals große Bedeutung erlangen.

Die Risiken beim Verkaufen von Optionen

Wer beim Kaufen und Verkaufen von Optionen nur den Kurs des Underlying im Blick hat, vergisst leicht, dass die Dividende der Aktiengesellschaft keine in Stein gemeißelte Größe ist, sondern Veränderungen unterworfen ist. Die Dividende kann nach oben wie nach unten korrigiert werden und muss in die eigene Strategie einfließen können. Wie oft ist es schon passiert, dass eine Dividende gestrichen wurde – wie in diesem Jahr vor allem bei Banken geschehen.

Natürlich wird ein gewissenhaft planender Investor auch die Zahlung der Dividende berücksichtigen bei der Berechnung des voraussichtlichen Kurses der erworbenen Optionen. 

Verkaufen, kaufen oder halten kann so sicher geplant werden.  ( Foto: Shutterstock- ImageFlow )

Natürlich wird ein gewissenhaft planender Investor auch die Zahlung der Dividende berücksichtigen bei der Berechnung des voraussichtlichen Kurses der erworbenen Optionen. Verkaufen, kaufen oder halten kann so sicher geplant werden. ( Foto: Shutterstock- ImageFlow )

1. Risiko: der Preisabschlag durch die Dividende

Das erste Risiko, das wir betrachten wollen, resultiert aus dem Preisabschlag, welchen die Dividende beim zugrundeliegenden Basiswert auslöst.

Natürlich wird ein gewissenhaft planender Investor auch die Zahlung der Dividende berücksichtigen bei der Berechnung des voraussichtlichen Kurses der erworbenen Optionen. Verkaufen, kaufen oder halten kann so sicher geplant werden. Dies betrifft die Renditekalkulation ebenso wir die Planung des besten Zeitpunkts, die wann man Optionen verkaufen sollte.

Viele Investoren verlieren sodann die Dividende des Unternehmens aus dem Blick und verfolgen vor allem den Kurs der zugrundeliegenden Aktie. Genau hier liegt die Gefahr, denn wird die Dividende im Nachhinein nach oben oder unten angepasst oder gar gestrichen, hat dies massiven Einfluss auf den Wert der Optionen im Depot.

  • Fall 1: Die Dividende wird erhöht
    Wenn die Dividende angehoben wird, dann reagieren Optionen je nach Typus unterschiedlich:
    Put-Optionen steigen im Wert
    Call-Optionen sinken im Wert.
  • Fall 2: Die Dividende wird reduziert oder gestrichen
    Sinkt die Dividende, wirkt sich dies je nach Optionsart unterschiedlich aus:
    Put-Optionen sinken im Wert
    Call-Optionen steigen im Wert.

Je nach Veränderung der Dividende fallen oder steigen also die Optionen. Verkaufen oder Halten der Position ist dann die Frage. Auf jeden Fall muss die Situation neu beleuchtet werden.

Wie kann der Investor hier sinnvoll gegensteuern?

Die Dividendenhistorie sollte auf jeden Fall genau studiert werden. Dabei interessieren nicht nur die tatsächlich gezahlten Dividenden, sondern ganz besonders auch die Ankündigungen von Änderungen. Bei der Überlegung, Optionen verkaufen und dabei sicher Kursgewinne erzielen zu wollen, muss die Dividendenhistorie geprüft werden. Auch sehr wichtig ist:

Veränderungen in der Wirtschaft wirken sich sehr unterschiedlich auf die einzelnen Branchen aus. Ist eine Branche im Positiven wie im Negativen von einer Veränderung besonders betroffen, ist eine Anhebung oder Senkung der Dividende sehr wahrscheinlich. Hier kann nur eine permanente Beobachtung der Finanzmärkte wie auch der Wirtschaft helfen. Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu, doch es erscheint uns wichtig, nochmals darauf hinzuweisen.

Die Dividendenhistorie sollte auf jeden Fall genau studiert werden. Dabei interessieren nicht nur die tatsächlich gezahlten Dividenden, sondern ganz besonders auch die Ankündigungen von Änderungen. ( Foto: Shutterstock-_VideoFlow)

Die Dividendenhistorie sollte auf jeden Fall genau studiert werden. Dabei interessieren nicht nur die tatsächlich gezahlten Dividenden, sondern ganz besonders auch die Ankündigungen von Änderungen. ( Foto: Shutterstock-_VideoFlow)

2. Risiko: Anspruch auf Dividendenzahlung beim Leerverkauf

Dem zweiten Risiko liegt eine Besonderheit des Optionsgeschäfts zugrunde. Hier ist es der sogenannte Short-Call, der zu einer Problemsituation führt. Kommt es in diesem Fall dazu, dass man angedient wird, würde dies naturgemäß dazu führen, dass der Käufer in den Besitz der Aktie kommt. Dies ist anders als beim Short-Put, bei dem die Aktie abgegeben wird. Letzteres wäre daher eher vorteilhaft, da ein Abschlag hier als Nutzen anzusehen wäre.

Shorties aufgepasst

Daraus kann man sicher ableiten, dass das Risiko aus der Ausübung des Optionsrechtes nur für Shorties, also short aufgestellte Investoren besteht. Hier die Details dazu.

Optionen „In the money“ & „Out of the money“

Wer hier seine Optionen verkaufen will, kann in die Zwangslage kommen, die Dividende aus eigener Tasche zahlen zu müssen. Dies betrifft die Optionen des Typs „In the money“. Bei Optionen des Typs „Out of the money“ kommt man eher seltener in die Risikosituation, da hier das Ausüben der Option für den Besitzer nicht so lukrativ ist, hier wird eventuell eher das Optionen verkaufen zum Tragen kommen.

Vorsicht, wenn der Zeitwert der Option unter die Dividendenhöhe sinkt

Ob eine Option ausgeübt wird, macht deren Besitzer meist vom Zeitwert der Option im Vergleich zum Betrag der Dividende abhängig. Übersteigt die Dividendenzahlung nämlich den Zeitwert der Option, bietet sich eine Ausübung geradezu an.

Hier sollte der Investor unbedingt vor dem Ex-Datum prüfen, ob der Zeitwert der Option noch über dem Betrag der Dividende liegt. Wenn nicht, sollte er überlegen, die Position glattzustellen und damit die Position zu schließen. Damit verhindert der Investor den Schaden, welcher beim Ausüben der Option durch Dritte entstehen würde.

Fazit

Optionen verkaufen will gelernt sein. Doch Optionen verkaufen ist auch erlernbar. Mit unserem kurzen Ausflug zur Dividende haben wir einen sehr wichtigen und häufig übersehenen Faktor beleuchtet. Unser nächster Artikel wird auf Strategien beim Optionen verkaufen eingehen. Wir wünschen viel Erfolg beim Investment in diesen sehr bewegten Zeiten.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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