Leerverkäufe mit Kredit finanzieren?

Die internationalen Finanzmärkte sehen Leerverkäufe als große Bedrohung an. Aus diesem Grund sind bestimmte Arten von Leerverkäufen inzwischen verboten, unter anderem auch in Deutschland. Worum es sich bei diesen Transaktionen handelt und ob es sinnvoll ist, sie mit einem Kredit zu finanzieren, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.

Riskante Aktionen auf dem Finanzmarkt: Optionsscheine und Leerverkäufe

Für risikofreudige Investoren sind die normalen Aktien oft zu träge. Deshalb greifen sie lieber zu Optionsscheinen und anderen Wertpapieren, die zwar hohe Gewinne erzielen können, aber auch die Gefahr eines Verlusts erhöhen.

Bei den Optionsscheinen kann es passieren, dass man seinen kompletten Einsatz verliert. Einige Spekulationspapiere gehen sogar noch über dieses Risiko hinaus und sorgen im ungünstigsten Fall für ein Minus auf dem Depot. Deshalb sollte man nur dann bei Leerverkäufen aktiv werden, wenn man sich mit der Thematik auskennt und die nötige Liquidität mitbringt. Bei diesen spekulativen Produkten fällt es schwer, eine Prognose aufzustellen, denn die Preisentwicklung lässt sich kaum vorhersagen. Das macht vor allem die Leerverkäufe zu einem unkalkulierbaren wirtschaftlichen Risiko.

Im Vergleich dazu sind die Optionsscheine deutlich einfacher zu handeln. Vor allem die Puts haben in den letzten Jahren viele Anhänger gefunden, und zwar auch bei den Kleinanlegern. Diese Papiere sind außerdem unter der Bezeichnung Warrant bekannt. Anders als eine typische Option lässt sich der Put-Optionsschein aber nicht von jedem Börsenteilnehmer auflegen. Des Weiteren gibt es für die Put-Optionsscheine keine Standardisierung durch den Börsenplatz.

 

Bei diesen spekulativen Produkten fällt es schwer, eine Prognose aufzustellen, denn die Preisentwicklung lässt sich kaum vorhersagen. Das macht vor allem die Leerverkäufe zu einem unkalkulierbaren wirtschaftlichen Risiko. (#01)

Bei diesen spekulativen Produkten fällt es schwer, eine Prognose aufzustellen, denn die Preisentwicklung lässt sich kaum vorhersagen. Das macht vor allem die Leerverkäufe zu einem unkalkulierbaren wirtschaftlichen Risiko. (#01)

Die spekulativen Eigenschaften beim Leerverkauf (Short)

Mit dem Begriff Short ist ein Wertpapier gemeint, das im Grunde genommen gar nicht im Besitz der Anleger ist. Bis vor relativ kurzer Zeit wurden die Leerverkäufe lediglich in den USA ausgeführt, doch inzwischen ist es auch in Europa möglich, mit Aktien zu handeln, die man eigentlich gar nicht gekauft hat. Für den Laien ist das kaum nachzuvollziehen, doch an der Börse findet dieses Vorgehen immer wieder statt.

Das Prinzip kann nur funktionieren, weil die Broker die entsprechenden Wertpapiere verleihen. Ausgeführt wird dieses Verleihen über eine vollautomatische Börsensoftware. Die Anleger selbst sind im Prinzip von den Vorgängen selbst isoliert, sodass sie nur den entsprechenden Bestand oder eben den Negativ-Bestand auf ihrem Depot sehen. In der Praxis bedeutet das eine Anzeige von beispielsweise minus 1000 Aktien.

Aufgrund von Leerverkäufen hat es in der Vergangenheit schon starke Kurseinbrüche gegeben, die bis zum Crash führten. Interessanterweise gibt es oft keine nachvollziehbare Ursache für den Absturz bestimmter Wertpapiere. Deshalb vermuten sowohl die Börsenexperten als auch die Politiker, dass es die Spekulanten selbst sind, die eine solche Entwicklung provozieren.

In Europa sollen die unverhältnismäßig starken Schwankungen an der Börse verhindert werden, um das Risiko einer Wirtschaftskrise zu vermeiden. In vielen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Belgien sind Leerverkäufe unter bestimmten Bedingungen bereits verboten. Verantwortlich für die entsprechende Kontrolle ist die Finanzmarktaufsicht ESMA. Sie will strikt dagegen vorgehen, dass die Marktregeln von den Spekulanten missbraucht werden.

Grundsätzlich ist das Handeln mit Leerverkäufen zulässig, doch die Handelsstrategie kann abhängig von den Randbedingungen enorme Auswirkungen auf die gesamte Börse haben. Vor allem Aktivitäten im Zusammenhang mit Insider-Geschäften oder mit dem Streuen von Gerüchten stellen einen deutlichen Verstoß gegen die geltenden Regeln dar.

Mit einem Leerverkauf setzen die Spekulanten auf sinkende Kurse, um auch bei einem Rückgang der Börse Profite zu erzielen. Die Aktien werden dafür von einem anderen Depot entnommen und sozusagen verliehen. (#02)

Mit einem Leerverkauf setzen die Spekulanten auf sinkende Kurse, um auch bei einem Rückgang der Börse Profite zu erzielen. Die Aktien werden dafür von einem anderen Depot entnommen und sozusagen verliehen. (#02)

Leerverkäufe und Kredite – eine gefährliche Kombination

Mit einem Leerverkauf setzen die Spekulanten auf sinkende Kurse, um auch bei einem Rückgang der Börse Profite zu erzielen. Die Aktien werden dafür von einem anderen Depot entnommen und sozusagen verliehen. Zu diesem Zweck wird eine Vereinbarung zwischen dem Leerverkäufer und dem Verleiher getroffen.

Der Verkäufer muss dem Verleiher einen bestimmten Zinssatz oder Prozentanteil bezahlen, um den Leerverkauf zu finanzieren. Als Ausgleich dafür bekommt er die Aktien, die er in der Folge auf dem Börsenmarkt verkauft. Wenn der Kurs gefallen ist, kann er die Aktie zum günstigeren Preis zurückkaufen. Aus der Kursdifferenz errechnet sich der Profit für den Verkäufer, wobei die Finanzierungskosten noch abgezogen werden müssen.

Wenn es sich um ein Wertpapier handelt, das nicht sehr stark ist, kommt es zu einem riskanten und folgenschweren Abwärtstrend der Aktie und manchmal sogar auf das gesamte Börsengeschehen. Aus ein paar Kursabstürzen wird womöglich ein echter Crash, wie es bei der Lehman Bank der Fall war. Für die Verkäufer ist diese Angelegenheit auch nicht ohne Risiko, denn wenn sie sich verspekuliert haben und der betreffende Kurs steigt, müssen sie am Ende draufzahlen.

Inzwischen sind ungedeckte Leerverkäufe in vielen europäischen Länder verboten. Verstöße werden hart geahndet, gleichgültig, ob es sich um Aktien oder Staatsanleihen handelt. Bei den ungedeckten Leerverkäufen gehen die Investoren noch direkter vor: Sie leihen sich die Papiere nicht und verkaufen sie trotzdem, um sie erst später zu einem günstigeren Kurs zu kaufen. Das erhöht das Spekulationsrisiko und führt teilweise dazu, dass die Anleger und/oder Broker Konkurs anmelden müssen.

 

Der Verkäufer muss dem Verleiher einen bestimmten Zinssatz oder Prozentanteil bezahlen, um den Leerverkauf zu finanzieren. Als Ausgleich dafür bekommt er die Aktien, die er in der Folge auf dem Börsenmarkt verkauft. (#03)

Der Verkäufer muss dem Verleiher einen bestimmten Zinssatz oder Prozentanteil bezahlen, um den Leerverkauf zu finanzieren. Als Ausgleich dafür bekommt er die Aktien, die er in der Folge auf dem Börsenmarkt verkauft. (#03)

Wie sieht es mit Optionsscheinen aus?

Die Spekulation mit Optionsscheinen birgt ebenfalls gewisse Risiken, allerdings kann man hiermit nicht ins Minus gehen. Die Optionsscheine sind für einen bestimmten Zeitraum angelegt und geben ihrem Besitzer das Recht, innerhalb der festgelegten Phase Wertpapiere, Anleihen, Indizes oder Rohstoffe zu einem festgelegten Wert zu kaufen. Für den Schuldner ist das Ausgeben der Optionsscheine deshalb interessant, weil er die Anleihe zum vergünstigten Wert anbieten kann.

Besonders interessant sind die Optionsscheine wegen ihrer Hebelwirkung. Wenn der Basiswert nur geringfügig steigt oder fällt, so bewegt sich der Wert des Optionsscheins überdurchschnittlich stark. Das bedeutet, dass auch Anleger, die nur wenig Geld investieren, mit einem guten Zeitgefühl und dem nötigen Know-how hohe Profite einstreichen können.

Was man alles wissen muss, um mit Optionsscheinen und Leerverkäufen zu handeln

Für Börseneinsteiger ist es nicht einfach, die richtigen Wertpapiere zu finden und zu verstehen, wie sich die verschiedenen Produkte gegenseitig beeinflussen. Deshalb sollte man sich zuerst intensiv mit dem Börsengeschehen beschäftigen, bevor man eine Investition tätigt. Sichere Anlagen sind beispielsweise Aktien und Fonds. Im Gegensatz dazu sind Optionsscheine bereits deutlich spekulativer. Die Leerverkäufe erhöhen die Spannung noch einmal, denn hier geht es bei der falschen Kursentwicklung sogar in den Minusbereich.

 

Der Leerverkauf ist der Handel mit Aktien, die man im Grunde genommen hat nicht besitzt. Ein ähnliches Paradoxon ist der Aktienhandel, für den man einen Kredit aufgenommen hat. (#04)

Der Leerverkauf ist der Handel mit Aktien, die man im Grunde genommen hat nicht besitzt. Ein ähnliches Paradoxon ist der Aktienhandel, für den man einen Kredit aufgenommen hat. (#04)

Leerverkäufe mit Kredit finanzieren? – Lieber nicht, raten die Experten.

Der Leerverkauf ist der Handel mit Aktien, die man im Grunde genommen hat nicht besitzt. Ein ähnliches Paradoxon ist der Aktienhandel, für den man einen Kredit aufgenommen hat. Beides lässt sich miteinander nicht kombinieren, selbst wenn man ganz sicher ist, wie sich der Kurswert entwickelt. Die Vorgehensweise scheint nicht nur unmoralisch zu sein, sondern regelrecht den Absturz herauszufordern.

Trotzdem gibt es immer wieder Anleger, die ihren Aktienkauf mit einem Kredit finanzieren. Bei dem Handel mit Leerverkäufen wäre das jedoch doppelt riskant. Auch wenn man bei einer günstigen Direktbank, wie sie hier zu finden ist, einen Kredit erhält, wäre es ein Zeichen von großer Sorglosigkeit, damit riskant zu spekulieren.

Tatsächlich gibt es sogar Großbanken, die für ihre Investitionen an der Börse das geliehene Geld der Kunden einsetzen. Das bedeutet jedoch auch für die Banken ein Risiko. Wenn mit einem Mal viele Großkunden Zugriff zu ihrem angelegten Geld haben möchten, dann müssen die finanzierten Anlagen der Kreditinstitute entnommen werden. Das läuft jedoch oft nicht schnell genug ab, zudem können dadurch gewisse Verluste entstehen, die nicht eingeplant waren.

Einen Kredit aufnehmen, um zu spekulieren, das mag für einige clevere Anleger interessant klingen. Grundsätzlich sind die günstigen Kredite jedoch für andere Zwecke gedacht, beispielsweise um neue Geräte zu kaufen oder um ein Auto anzuschaffen. So niedrig und verlockend die Zinsen auch sind, man sollte besseres mit dem Geld anfangen, als damit an der Börse zu spekulieren oder sogar Leerverkäufe durchzuführen.

  • Die Beantragung eines Kredits erfordert nur wenig Vorbereitung.
  • Gerade bei den Online-Banken ist die Reaktionszeit auf einen solchen Antrag sehr kurz.
  • Ein Kredit-Check hilft bei der Kalkulation.
  • Einen Hinweis zur Auszahlungswahrscheinlichkeit erhält man oft schon direkt nach der Eingabe der persönlichen Daten.

Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: Stephan Walochnik-#01:peshkov -#02:Sergey Nivens -#03: vectorfusionart-#04: Tomasz Zajda

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply