Aktienverwaltung: Excel oder online?

Eine übersichtliche Aktienverwaltung ist essenziell wichtig für Anleger. Welches System bietet den besten Überblick, um auf Ereignisse an der Börse schnell zu reagieren? Möglichkeiten gibt es mit dem bekannten Tabellensystem Excel oder man erledigt die Verwaltung der Wertpapiere im Internet zum Beispiel über Google Tabellen.

Aktienverwaltung: Gewinne oder Verluste an der Börse sofort erkennen

Das Ziel für Inhaber eines Aktiendepots: Auf einen Blick sehen, wo der Kurs steht. Im Zweifel kann man sofort reagieren und die Wertpapiere verkaufen. Oder man hält sein Depot beziehungsweise erwirbt neue Aktien. Um die Entwicklung seiner Wertpapiere zu beurteilen, ist der Einstiegskurs wichtig. Also für welchen Betrag pro Aktie man Anteile gekauft hat. Und natürlich die jeweilige Stückzahl. Erst dann ist es möglich, bei einem möglichen Verkauf den zu erwartenden Gewinn oder Verlust zu beurteilen. Alle Beträge sollten für den Aktieninhaber sofort sichtbar sein. Diese Leistungen muss eine moderne Aktienverwaltung ermöglichen.

Schwierigkeiten mit neuester Excel-Version

Für eine zeitgemäße Aktienverwaltung konnte bis zuletzt das Tabellenkalkulationsprogramm Excel verwendet werden. Das Problem: Microsoft hat Möglichkeiten eingestellt, mit MSN auf entsprechende Börsendaten zuzugreifen. Erst das neueste Update vom April 2018 ermöglicht die Organisation der Aktien direkt durch den Klick auf eine Excel-Tabellenzeile wieder. Das Problem: Mac-Nutzer klagen über Schwierigkeiten, diese neueste Version zu nutzen. Es ist also nicht mehr für alle Nutzer so einfach möglich, die Excel-Version uneingeschränkt zu verwenden. Ein kleiner „Trick“ kann da aber helfen: Man verwendet zwei Vorlagen. Eine über Excel, welche speziell bei kleinen Depots bequem per Hand gepflegt werden kann. Und eine zweite Vorlage über Google-Tabellen. Diese berechnen aktuelle Kurse automatisch über GOOGLEFINANCE. Kleiner Hinweis: Ein Konto bei Google ist für die Verwendung notwendig.

Die Charts am Bildschirm online beobachten oder auf klassische Excelprogramme setzen? (#1)

Die Charts am Bildschirm online beobachten oder auf klassische Excelprogramme setzen? (#1)

Aktienverwaltung: Bei kleinen Depots einfach mit Excel arbeiten

Wer es unkompliziert mag, kein Google-Konto verwenden will und sowieso nur wenige Aktien hält, kann sein Depot auch per Hand pflegen. Einfach Excel oder OpenOffice herunterladen und öffnen. Jetzt die eigenen Werte eintragen, also die Stückzahl, das Kaufdatum oder der Kaufpreis. Das geht sehr schnell, wenn man nur zwei oder drei Aktien besitzt. Aber zur Not ist auch Platz für mehr als 25 Aktien oder Fondsbeteiligungen. Konkret kann man also über entsprechende Börsenseiten im Internet aktuelle Kurse selbst ermitteln und in Excel eintragen. Der mögliche Gewinn oder Verlust bei einem Verkauf kann, das korrekte Eintragen per Hand vorausgesetzt, sofort mit einem Klick ermittelt werden. Ideal für alle, die ihre Daten möglichst nicht im Web und schon gar nicht an Google weitergeben möchten. Um das ganze schnell auf einem Blatt zu lesen, kann man die Ergebnisse immer zusätzlich auf Papier ausdrucken lassen.

Google hat auch was im Angebot

Bequemer geht es mit dem Suchmaschinenriesen: Weil die Kurse über Microsoft wie erwähnt nicht mehr ohne weiteres übermittelt werden, können Aktieninhaber alternativ auf „Google Tabellen“ zurückgreifen. Im Gegensatz zum manuellen Eintragen in Excel ist die Funktion GOOGLEFINANCE in der Lage, aktuelle Kurse einer ganzen Reihe von Aktien oder Investmentfonds anzuzeigen. Das funktioniert sehr übersichtlich. Auf einen Blick bei Google Tabellen zu erkennen sind beispielsweise:

– der jeweilige Name der Aktie (für neue Wertpapiere lassen sich einfach neue Zeilen einfügen)
– der Wert der Aktie vom Vortag
der aktuelle Jetzt-Wert der Aktie
aktuelle Tiefst- und Hochwerte
– das 52-Wochen-Tief und das 52-Wochen-Hoch (für die Entwicklung des Aktienwertes innerhalb von einem Jahr)

Nutzt ein Anwender diese Variante einer Aktienverwaltung, hat er sofort alle relevanten Kennziffern auf einen Blick zur Verfügung. Er kann gut beurteilen, ob es sich lohnt, zu verkaufen oder neue Aktien zu erwerben. Es funktioniert alles sehr intuitiv und für den normalen Anwender ist es völlig ausreichend, mithilfe dieser Verwaltung den Überblick zum aktuellen Börsengeschehen zu behalten. Trotzdem gibt es neben den Vorzügen auch ein paar Nachteile, die im nächsten Abschnitt erläutert werden.

Die Freude ist groß, wenn man mit seinen Aktien einen Gewinn erzielt hat. Egal, ob dieser online oder auf Excel dokumentiert wird. (#2)

Die Freude ist groß, wenn man mit seinen Aktien einen Gewinn erzielt hat. Egal, ob dieser online oder auf Excel dokumentiert wird. (#2)

Aktienverwaltung: Was spricht für oder gegen Google Tabellen?

Wenn zumindest die Organisation der Aktiendepots gut umgesetzt wird, lautet für manche Nutzer die Frage: Kann Google Tabellen das gewohnte Excel-System komplett ersetzen? Nun, es kommt immer auf den genauen Zweck an, wie das System verwendet werden soll. Deshalb mal eine kurze Zusammenstellung aller positiven und negativen Eigenschaften.

Gratis und sofort abrufbar: Die Tabellen-Software ist über „Google Docs“ komplett kostenlos erhältlich und kann nach der Anmeldung über das Google-Konto sofort genutzt werden. Weder ein Download noch eine sonstige Installation ist nötig.

Inklusive Nutzung von Google Drive: Unter Umständen können auch mehrere Teilnehmer Tabellen aufrufen. Das ist in punkto Aktienverwaltung eventuell für einen Depotverwalter sinnvoll. Er kann Kurse prüfen und gegebenenfalls seinem Klienten Empfehlungen geben. Ohne dass man sich umständlich per Mail oder Telefon austauschen muss.

Daten in der Cloud gespeichert: Wenn es mal zu einem Absturz oder Verlust des Rechners kommt, bleiben die Daten, und natürlich auch aktuelle Börsenkurse, weiterhin in der Cloud. Es ist keine manuelle Neueintragung von Daten erforderlich.

Einiges spricht für Google als System zur Aktienverwaltung. Dennoch sollen auch negative Punkte nicht ausgespart werden. Vom benötigten Google-Konto einmal abgesehen, das von nicht wenigen Nutzern komplett abgelehnt wird. Hier also einige Punkte, die (zur Zeit) noch gegen Google Tabellen sprechen:

Einige Excel-Funktionen nicht verwendbar: Die SUMMEWENN-Funktion zum Addieren ist aktuell noch nicht ausgereift. Hier müsste man bei Google Tabellen den Bereich FILTER verwenden.

Viele Funktionen nur auf Englisch: Es kommt noch häufiger vor, dass englische Begriffe verwendet werden. Zum Beispiel anstatt SVERWEIS wird VLOOKUP verwendet. Das kann einige Nutzer verwirren, wobei es auch Hilfefenster gibt, um Formeln korrekt einzutragen und damit vernünftig zu arbeiten.

Eine gewisse Schwäche in der Leistung: Der Vorteil, dass Google Tabellen unkompliziert geöffnet werden kann und nicht installiert werden muss, kann bei größeren Dateien zu Nachteilen in der Leistung führen. Wer hingegen „nur“ die Aktienverwaltung kleiner und mittlerer Depots beansprucht, sollte keine Probleme bekommen. Wer trotzdem es mal mit Excel probieren möchte, findet an dieser Stelle Tipps für Anfänger.

Aktienverwaltung: Erstmal die eigenen Finanzen verwalten und dann in den Aktienmarkt gehen

Ein kleiner Zusatz-Tipp: Wer Aktien erwirbt, um an der Börse langfristig ein kleines Vermögen aufzubauen, sollte erstmal seine eigenen Finanzen im Griff haben. Auch dafür eignen sich Tabellenprogramme. Völlig egal, ob man mit Excel oder über Google Tabellen die Verwaltung übernimmt.

Wie geht man vor? Ähnlich wie beim Aktiendepot! Während man beim Erwerb von Wertpapieren auch immer darauf achtet, möglichst keinen Verlust zu erzielen, verhält es sich bei den eigenen Finanzen nicht anders. Kurz gesagt: Die Ausgaben dürfen nicht höher als die Einnahmen sein. Ansonsten drohen immer mehr Schulden und langfristig der finanzielle Offenbarungseid. Um diesen zu vermeiden und nicht in die gefürchtete Schuldenfalle zu rutschen, müssen exakt auch kleinsten Ausgaben eingetragen werden.

Einnahmen und Ausgaben intelligent mit Excel oder Google Tabellen verwalten

Das monatliche Budget muss ermittelt werden: Zunächst muss man feststellen, wie viel Geld im Monat zur Verfügung steht. Einfach bei Angestellten mit festem Gehalt. Schwieriger bei Freiberuflern und Selbstständigen. Letztere sollten alle Gehaltschecks sammeln und den durchschnittlichen Wert in das Tabellenprogramm der Wahl eintragen. Wer unsicher ist, das niedrigste Einkommen der letzten 6 Monate verwenden.

Nach dem Einkommen die Ausgaben eintragen: Zuerst die Fixkosten. Dazu gehören Mieten und Versicherungen für die Gesundheit oder das Auto. Auch Rechnungen von Kreditkarten können einen Teil dieser Kosten ausmachen. TV-Gebühren, Betriebskosten oder auch die Monatskarte ebenfalls nicht vergessen. Alles gehört eingetragen, egal wie gering der Betrag ist. Und natürlich die möglichen regelmäßigen Investments in Aktien oder Fonds. Falls ein positives monatliches Saldo herauskommt, können diese Erträge zu den Einnahmen gezählt werden.

Essen, Benzin oder Kosten für Unterhaltung (Kino oder Restaurant) gehören eher zu den wechselnden Kosten. Hier unbedingt gut recherchierte durchschnittliche Beträge in Excel oder Google Tabellen eintragen. Tipp: Lieber etwas zu hoch schätzen. Als letztes sollten Beträge für Notfälle aufgeführt werden. Kosten, die im Falle eines Falles auftreten können. Autoreparaturen oder das Geschenk für eine Feier. Je nach individuellem Bedarf nochmal 25 oder 100 Euro bereitstellen.

Auf einen Blick erkennen, wo man Gewinne am Aktienmarkt erzielt hat und wo mit Verlusten gerechnet werden muss. (#3)

Auf einen Blick erkennen, wo man Gewinne am Aktienmarkt erzielt hat und wo mit Verlusten gerechnet werden muss. (#3)

Aktienverwaltung: Was übrig bleibt, kann intelligent in Aktien investiert werden

Moderne Tabellenprogramme ermitteln jetzt in Sekundenschnelle, ob und wenn ja wie viel Geld übrig bleibt. Dieser Betrag nach Abzug aller aufgeführten Kosten kann zum Beispiel sinnvoll in Wertpapiere investiert werden und mit Excel oder Google in Form einer Aktienverwaltung geprüft und überwacht werden. Eine sinnvolle Streuung der Wertpapiere und der Fokus auf mehrere Branchen und eventuell auch Aktienmärkte (USA, Europa, Asien) sind in diesem Zusammenhang ewig gültige Tipps, um einen möglichen Komplettverlust von Aktienvermögen weitgehend zu verhindern. Denn in letzter Konsequenz können diese Tabellen und die daraus ersichtliche Aktienentwicklung ein letzter Hinweis sein, schnell Aktienpakete zu veräußern. Gerade das macht sie so bedeutend für viele privaten Anleger.

Fazit: Auf einen Blick das Aktienvermögen zu ermitteln und in der Folge intelligent zu handeln, ist ein ganz wichtiger Teil der Finanzplanung. Ob das manuell oder via Internet erfolgt, ist im Endeffekt nicht entscheidend. Vielmehr müssen Anleger regelmäßig ihr Depot überprüfen und die richtigen Konsequenzen aus möglichen Kursgewinnen oder Kursverlusten ziehen. Hinweise können sowohl Infos zur 52-Wochen-Entwicklung einer bestimmten Aktie sein, aber auch externe Tipps von Kennern der Börse beziehungsweise Börsenbriefe von Experten. Die richtigen Informationen kennen, sind wichtiger Bestandteil. Da spielt es keine Rolle, ob einzelne Aktien im Portfolio liegen oder ganze Aktiendepots.

Aber intelligente Tabellen helfen, sowohl den Überblick über das Aktienvermögen zu behalten als auch versteckte Ausgaben zu erkennen. Denn erst wenn das monatliche Budget es zulässt, sollten überhaupt Investments auf dem Finanzmarkt getätigt werden. Insofern erfüllen diese Tabellen, ganz gleich ob Excel oder Google, eine ganz wichtige Funktion, die letztendlich auch ein unverzichtbarer Teil der finanziellen Planung für Familien sein kann. Was kann ich mir finanziell leisen, ohne in Gefahr hoher Schulden zu landen? Oder wie entwickelt sich eigentlich dieser Investmentfonds, den mir der Finanzberater angepriesen hat? Das sind nur zwei der wichtigen Fragen, welche intelligente Tabellensysteme beantworten können.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: SFIO CRACHO -#1: Rocketclips, Inc. -#2: Roman Samborskyi -#3: Travis Wolfe

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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