Bond Crash: Überblick und Folgen

Im April dieses Jahres gerieten die Kurse der US-Staatsanleihen gehörig ins Wanken. Der Grund: Anleger und Investoren setzten zu dieser Zeit auf steigende Zinsen. Hier gibt es eine Wechselwirkung, durch die so manch ein Finanzmarktjongleur schon das Szenario vom nahenden Bond Crash in den USA vor Augen hatte. Denn je mehr ein Bond-Kurs fällt, desto rapider steigen die Zinsen für diese Staatsanleihe an.

Im gleichen Monat äußerten sich die Fachleute vom Finanz- und Börsenportal „Investor-Verlag“ dazu und forderten zum Durchatmen auf. Am Markt für Staatsanleihen aus Amerika wurden Entwicklungen und Ereignisse beobachtet, die nicht auf einen baldigen Bond Crash verweisen. Es solcher sei in den USA, wie die Autoren in einem Beitrag auf der Website schrieben, demnach „nicht so schnell“ zu befürchten. Zwar fielen Ende 2016 die Kurse von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals seit 2008 wieder, jedoch: Es dauerte nicht lange, bis sich die US-Bonds wieder stabilisiert hatten. Die Kurse am US-Bonds-Market gingen nach oben, die negative Entwicklung setzte sich nicht fort.

Bond Crash? Das Gegenteil könnte eintreten

In dem Beitrag war auch zu lesen, dass Händler zu jener Zeit (April) die Zukunftsaussichten für den US-Bond-Market als derart pessimistisch einschätzten wie seit Jahren nicht mehr. Auch die amerikanischen Konsumenten interessierten sich – so ergaben es Umfragen zum Konsumentenvertrauen – kaum noch bis gar nicht mehr für Bonds als (Kapital)Anlageform. Sie alle hielten zu der Zeit einen Bond Crash für nicht unwahrscheinlich.

Anders äußerte sich hingegen die Gruppe vom „Smart Money“ („smart“ im Sinne von klug und damit schneller sein als die anderen). Unter „Smart Money“ versteht man jene Gruppe von Händlern, die eine gute, erfahrene Spürnase und vor allem auch den Mut besitzen, um im günstigen Moment zu investieren. Sie erkennen eher als andere, den richtigen Zeitpunkt, um auf- oder abzuspringen. Sprich: Um zu investieren oder zu verkaufen.

Jenes „Smart Money“, das mit seinen Prognosen und Erwartungen oft richtig liegt, sagte für die US-Bonds äußerst günstige Prognosen voraus. Und zwar für Anleihen mit zehn- und 30-jähriger Laufzeit. Außerdem erklärten die Autoren von „Investor-Verlag“, dass auch deswegen im Frühjahr/Sommer eher nicht mit einem Bond Crash zu rechnen sei, da der US- Market traditionell und erfahrungsgemäß in diesen Monaten „Rückenwind“ bekäme und sich positiv entwickeln würde. Scheinbar also keine Spur von einem Bond Crash. „Investor-Verlag“ kam zu der Erkenntnis, dass es schon mit dem Teufel zugehen müsse, „wenn US-Anleihen in den kommenden Monaten nicht steigen würden.

Im April dieses Jahres gerieten die Kurse der US-Staatsanleihen gehörig ins Wanken. Der Grund: Anleger und Investoren setzten zu dieser Zeit auf steigende Zinsen. Hier gibt es eine Wechselwirkung, durch die so manch ein Finanzmarktjongleur schon das Szenario vom nahenden Bond Crash in den USA vor Augen hatte. (#01)

Im April dieses Jahres gerieten die Kurse der US-Staatsanleihen gehörig ins Wanken. Der Grund: Anleger und Investoren setzten zu dieser Zeit auf steigende Zinsen. Hier gibt es eine Wechselwirkung, durch die so manch ein Finanzmarktjongleur schon das Szenario vom nahenden Bond Crash in den USA vor Augen hatte. (#01)

Trump- und Bond Crash: Düstere Prognosen zu Jahresbeginn

Zu Jahresbeginn waren die Prognosen mehr als düster. Es wurde ein Schreckensszenario in unzähligen TV-Berichten, Artikeln und Expertenanalysen sowie auch und gerade in den sozialen Medien wie Facebook und Twitter, nach dem anderen gemalt: Von einer Rezession mit der Konsequenz eines Bond Crashs sowie Zusammenbruchs des kompletten Finanzmarktes, war da oft die Rede. So auch in einem Artikel auf www.capital.de vom 25. Januar dieses Jahres. Der Wahlsieg von Trump lag erst wenige Wochen zurück und sogleich ging das Schreckgespenst vom baldigen Crash um – das auch deutsche Medien fest im Griff hatte. Die (reißerische) Überschrift des Artikels: „Sparern droht der Trump-Crash“.

Der Autor des Textes sah die größte Gefahr für den Bond bzw. Finanzmarkt-Crash ganz allgemein in Trumps Populismus begründet. Die Kernaussage: Populisten bieten einfache Lösungen für komplexe Probleme an, locken mit emotionalen Botschaften und versprechen das Blaue vom Himmel – auch den Finanzmärkten. Populistische Äußerungen könnten langfristig zu einem Crash inklusive Nullzinsen führen. Die Folge wären herbe „Vermögensverluste, gerade für Aktien und Zinssparer“, wie es im Artikel geschrieben stand.

George Soros prognostizierte Trump-Crash

Ebenfalls im Januar äußerte der Milliardär George Soros, der zu den 30 reichsten Menschen der Welt zählt, seine düsteren Marktaussichten. Negative Prognose und Untergangsszenarien, wenige Wochen nach dem Trump-Sieg, die er auch über Facebook verbreitete.

Als „Hochstapler und Möchtegern-Diktator“ bezeichnete Soros den neuen US-Präsidenten und gab auf dem Weltwirtschaftsforum im Davos an, dass ein Crash unmittelbar bevor stünde. Darüber berichtete u.a. die deutsche Tageszeitung „Welt“ in ihrer Online-Ausgabe. Soros sah damals u.a. die Gefahr, dass Trump einen Handelskrieg mit der aufstrebenden Weltmacht China lostreten könnte. Die möglichen Folgen davon wäre eine kriegerische Auseinandersetzungen sowie eine Krise an den Märkten.

Wichtig ist zu wissen, dass Soros seit jeher ein Kritiker Trumps ist und auch nicht gerade mit einem Wahlsieg des Immobilienmoguls rechnete. Der 86 jährige Hedgefondsmanager hatte, falls Trump gewinnt, auf ein Chaos an den Finanzmärkten spekuliert und auf fallende Kurse gesetzt. Trump gewann, das große Chaos am US-stock- and-bond-market blieb jedoch aus. Soros verlor eine Milliarde Dollar.

Die Unsicherheiten und Befürchtungen, dass Trump die Märkte langfristig ins Chaos stürzen könne, waren zu Jahresbeginn immens. (#02)

Die Unsicherheiten und Befürchtungen, dass Trump die Märkte langfristig ins Chaos stürzen könne, waren zu Jahresbeginn immens. (#02)

Bond Crash: Unsicherheiten nach Trump-Wahlsieg

Die Unsicherheiten und Befürchtungen, dass Trump die Märkte langfristig ins Chaos stürzen könne, waren zu Jahresbeginn immens. Ob in den sozialen Medien wie Facebook und Twitter, der Massenpresse oder den einschlägigen Fach-Medien: Überall warnte man die Investoren und riet ihnen, künftige Investmentstrategien zu überdenken. So hieß es etwa auf „CNN Money“ in einem Online-Artikel: “Investors are starting to question just how good President Trump will be for stocks”. Also in etwa: wird Trump dem Aktienmarkt gut tun?

Forbes.com titelte am 11.01. in der Online-Ausgabe: „Should You Change Your Investments Under President Trump?“ Auf der Seite des renommierten „Economist“ erschien Anfang Dezember 2016 ein Artikel mit der Überschrift „What Donald Trump’s election means for government-bond markets“ – Was Trumps Wahl für den US-Staatsanleihen-Markt bedeutet. Schon damals äußerte der Autor, dass künftig und als Folge des Ausgangs der Wahl , wahrscheinlich weniger in amerikanische Staatsanliehen investiert werde. („As a result, it seems less and less likely, that investors would want to own government bonds). Doch warum ist es so wichtig, dass die USA auch weiterhin ihre “Staats-Bonds” verkauft? Wieso wäre ein Bond Crash so fatal?

Deshalb können US-Staatsanleihen zu Problemen führen: Wie Focus Online in einem Artikel vom Februar berichtete, haben die USA aktuell bei ausländischen Staaten rund sechs Billionen Dollar Schulden (etwas mehr als fünfeinhalb Billionen Euro). An der Spitze der Gläubiger: Japan und China. Diesen beiden Staaten schulden die USA am meisten Geld. Nach einer Statistik des US-Finanzministeriums im November, steht Amerika allein bei Japan mit über eine Billionen Dollar in der Kreide. Deutschland liegt an fünfzehnter Position in der Gläubiger-Rangliste. Denn uns schulden die Vereinigten Staaten „nur“ rund 86 Milliarden Dollar. Haben die USA bei einem Staat hohe Schulden heißt das im Umkehrschluss: Dieser Staat besitzt hohe Anteile an US-Staatsanleihen.

Diese Anleihen können aber auch zu einem Problem werden, etwa wenn es zum absoluten Super-Gau kommen würde: Einem Bond Crash. Ein Bond Crash kann bedeuten, dass die Zinsen für Staatsanleihen kontinuierlich in den Keller gehen. Und bei niedrigen Zinsen kauft niemand mehr Bonds. Denn: Je geringer der Zins, desto größer das Risiko, vom investierten Betrag möglicherweise nicht mehr alles wiederzusehen.

Viele Konsumenten und Privatleute leben in den USA auf Pump. Das ist kein Geheimnis, schon seit langer Zeit so und dieser Umstand trug durchaus auch eine Mitschuld an der großen Finanzkrise 2008. (#03)

Viele Konsumenten und Privatleute leben in den USA auf Pump. Das ist kein Geheimnis, schon seit langer Zeit so und dieser Umstand trug durchaus auch eine Mitschuld an der großen Finanzkrise 2008. (#03)

Bond Crash: Warum US-Schulden kaufen?

Viele Konsumenten und Privatleute leben in den USA auf Pump. Das ist kein Geheimnis, das ist schon seit langer Zeit so und dieser Umstand trug durchaus auch eine Mitschuld an der großen Finanzkrise 2008. Man lebt schlicht über seine Verhältnisse. Aber nicht nur Verbraucher verfahren so, sondern auch viele US-Staaten, Städte, Gemeinden etc. Der öffentliche Sektor gibt mehr Geld aus, als ihm zur Verfügung steht. Damit dies überhaupt möglich ist, „kaufen“ andere Staaten quasi die US-Schulden, indem sie Staatsanleihen erwerben. Doch warum ermöglicht man einem anderen Staat ein Leben auf Pump, könnte man sich fragen? Ganz einfach: US-Bonds gelten als vergleichsweise sichere Anlageform.

Ein Bond Crash gilt als relativ unwahrscheinlich. Also investieren Banken, Versicherungen, Privatanleger, Unternehmen oder eben Notenbanken unterschiedlicher Länder, in US-Staatsanleihen. Sie sehen diese Investition als langfristige Kapitalanlage, schließlich zahlen die USA Zinsen für das geliehene Geld. Diese große Abhängigkeit von der Bereitschaft anderer, Geld in Staatsanleihen zu stecken, birgt aber auch Risiken für den Privatmann.

Folgen für den Anleger

Gehen die Kurse von Staatsanleihen kontinuierlich nach unten, kann das zu massiven Gewinneinbrüchen führen. Gerade auch beim Privatanleger und Otto Normalverbraucher. Zu einem Bond Crash kann es also auch kommen, wenn die Kurse fallen, gleichzeitig aber die Renditen in die Höhe schießen. Die Angst vor Kursverlusten am Bond-Markt kann weitreichende Konsequenzen haben: Die Fondsmanager verkaufen in der Folge ihre Bonds bzw. stoßen ihre Anleihen schnellstmöglich ab. Es entsteht eine Anleihen-Blase. Ein hektischer, überhitzter Ausverkauf von Staatsanleihen ist häufig die Konsequenz.

Darüber hinaus sind Staatsanleihen oft auch an die Verbraucherpreise gekoppelt. Wird davon ausgegangen, dass die Preise über längere Zeit sinken, dann kommt es nicht selten zur Rekordjagd auf Bonds. Denn: Sinkt das Preisniveau (die Nachfrage ist geringer als das Angebot), sehen viele Anleger dies als Chance, große Gewinne am Markt für Anleihen zu generieren.
Insbesondere für institutionelle Anleger mit großem finanziellem Spielraum (z.B. Kreditinstitute und Versicherungen) ist die Investition in Bonds nach wie vor sehr attraktiv. Trotz vermehrter Staatspleiten und -verschuldungen in den letzten Jahren (Griechenland, Irland etc.), bei denen Rückzahlungsausfälle oder zumindest niedrigere Zinsen, drohen.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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