Volatilität verstehen: Schwankungsbreiten von Aktienkursen

0

Anleger müssen sich unter anderem mit dem Begriff der Volatilität von Geldanlagen befassen. Gemeint ist damit die Standardabweichung, also die Schwankung um einen Mittelwert.

Volatilität: Definition einer Standardabweichung (Video)

Die Schwankungsbreite, die sich innerhalb eines festgelegten Zeitraums abbilden lässt, wird in der Finanzwelt als Volatilität bezeichnet. Per Definition handelt es sich daher um eine Standardabweichung, die auf Wertpapierkurse, Zinssätze, Rohstoffpreise oder Anteile von Investmentfonds anzuwenden ist.

Schwankungen um einen Mittelwert

Mithilfe der Volatilität, die von Profis aktuell berechnet werden kann, lässt sich die Schwankungsbreite eines Aktienkurses oder eines anderen Finanzindex um einen Mittelwert beschreiben. Dabei wird die Standardabweichung immer auf einen festen Zeitraum bezogen.

Es gilt: Je höher die Volatilität, desto höher ist auch die Abweichung des Kurses von seinem Mittelwert.

Die Standardabweichung entsteht durch punktuelle Einflüsse und Effekte, wobei vor allem Meinungsänderungen der Anleger und Händler sowie der Investoren ausschlaggebend für die Veränderungen sind. Auf Unsicherheiten und unerwartete Ereignisse reagieren die einzelnen am Handel Beteiligten entsprechend ihren eigenen Erwartungen und Erfahrungen, was sich in der Anpassung der Kursziele und Limits äußern kann.

Daraus ergibt sich die genannte Standardabweichung, die auch als Risikokennzahl bezeichnet wird. Diese Kennzahl wird ursächlich dafür gesehen, dass Aktien so viel Misstrauen entgegengebracht wird: Keiner kann das Risiko, das damit einhergeht, wirklich einschätzen. Während sich professionelle Anleger gegen Kursänderungen absichern, werden Laien verunsichert und bringen den Kurs durch ihre Handlungen noch mehr zum Schwanken.

Damit gerät der Markt jedoch auch in Bewegung, insofern haben die teilweise unüberlegten Handlungen der Laienanleger sogar Vorteile. Professionelle Händler profitieren von den Schwankungen und nutzen diese für den Ein- oder Ausstieg in eine Aktie.

Video: Börsenwissen: Was ist Volatilität?

Aktien und Volatilität

Mit der Aktienvolatilität wird deren durchschnittliche Schwankungsbreite bezeichnet. Steigt oder fällt der Preis für eine Aktie sehr stark, wird die Aktie als volatil betitelt. Ein hohes Risiko wird mit einer stark volatilen Aktie gleichgesetzt, das Risiko für einen Verlust steigt hierbei.

Häufig kommt es zu einer steigenden Volatilität, wenn Aktiengesellschaften unerwartete Informationen an die Öffentlichkeit tragen oder wenn neue Geschäftsberichte mit überraschendem Inhalt veröffentlicht werden.

Historische und implizite Volatilität

Wird die Volatilität berechnet, unterteilt der Finanzfachmann die Schwankungsbreite in die historische und in die implizite Variante. Dabei ist die historische Variante durchaus selbsterklärend, denn sie bezieht sich auf einen festen Zeitraum, der bereits in der Vergangenheit liegt. Eine implizite Schwankungsbreite hingegen wird erst noch erwartet und liegt damit in der Zukunft. Beide stehen nicht miteinander in Kontakt.

Wird die Volatilität berechnet, unterteilt der Finanzfachmann die Schwankungsbreite in die historische und in die implizite Variante. (Foto: Shutterstock-PopTika)

Wird die Volatilität berechnet, unterteilt der Finanzfachmann die Schwankungsbreite in die historische und in die implizite Variante. (Foto: Shutterstock-PopTika)

Historische Volatilität

Um die historische Schwankung einer Anlageform zu bestimmen, muss die real stattgefundene Kursbewegung betrachtet werden, die auf einen Basiswert bezogen wird. Eine Aktie oder ein Index ist dabei die Grundlage. Die Kennzahl wird für einen Zeitraum von 30 Tagen berechnet, indem die Standardabweichungen der Kursschwankungen pro Tag berücksichtigt werden. Damit gibt die historische Schwankungsbreite an, wie der Basiswert in der Vergangenheit ausgesehen hat.

Implizite Volatilität

Noch in der Zukunft liegende Schwankungen werden als implizit bezeichnet. Das heißt, die implizite ist das Gegenstück zur historischen Schwankungsbreite und sie wird über die aktuellen Marktpreise berechnet. Der VDAX fußt auf genau dieser Berechnung. Angebot und Nachfrage bestimmen diese Schwankung, die als Prozentsatz auf Basis eines Jahres ausgedrückt wird.

Die implizite Form verändert sich ständig, da sich die Optionspreise bereits innerhalb eines Handelstages nach oben oder unten bewegen. Werden Put-Optionen stark nachgefragt, nimmt die implizite Aktienvolatilität zu. Doch auch weitere Einflussfaktoren können hier eine Rolle spielen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten und Quartalszahlen von Aktiengesellschaften
  • unerwartete Ereignisse
  • Veränderungen im Unternehmen

Die Höhe der Schwankungsbreite sowie die Entwicklung der Kurse bilden einen Zusammenhang, der bei beiden Volatilitätszahlen (historische und implizite Schwankung) übereinstimmend ist. Fallen die Börsen und werden die Anleger unsicherer, steigt die implizite Schwankung an, die Optionspreise steigen ebenfalls.

Steigen die Börsen aber, sind die Händler meist unbesorgt. Implizite Schwankungen nehmen ab, Optionen werden billiger. Damit sinkt auch die historische Schwankung. In direktem Kontakt stehen beide dennoch nicht.

Um die historische Schwankung einer Anlageform zu bestimmen, muss die real stattgefundene Kursbewegung betrachtet werden (Foto: Shutterstock-_GaudiLab )

Um die historische Schwankung einer Anlageform zu bestimmen, muss die real stattgefundene Kursbewegung betrachtet werden (Foto: Shutterstock-_GaudiLab )

Volatilitätsbarometer VDAX und Berechnung der Schwankungsbreite

Die Schwankungsbreite kann berechnet werden, wobei derartige Berechnungen über den VDAX veröffentlicht werden. Die Abkürzung VDAX steht dabei für den DAX-Volatilitätsindex, der eine Voraussage über die Entwicklung der Schwankungen in den kommenden 45 Tagen treffen soll.

Der VDAX

Der VDAX ist ein Index, der an den Deutschen Aktien Index (DAX) gebunden ist. Dabei spiegelt sich die Schwankungsbreite der Unternehmen wieder, die zu den 30 größten Firmen in Deutschland (an der Börse vertreten) gehören. Der VDAX ist damit ein Unterindex des Deutschen Aktien Index. Berechnet wird er immer zwischen 09:00 und 17:30 Uhr, wobei hier nur die Börsentage zugrunde gelegt werden.

Die Berechnung erfolgt in Echtzeit. Korrekterweise ist der VDAX der VDAX NEW, denn er ist der Nachfolger des ursprünglichen VDAX, der am 29. Juli 2016 zuletzt berechnet worden ist.

Gemessen wird mithilfe des VDAX die implizierte Standardabweichung des DAX, was bedeutet, dass hier die Schwankungsintensität für die kommenden 30 Tage berechnet wird. Nach der Ermittlung des Wertes für diesen Zeitraum erfolgt die Hochrechnung der Daten auf ein Jahr.

Kurz gesagt: Mithilfe des VDAX wird eine erwartete Preisschwankung ausgedrückt. Dennoch kann der VDAX keine konkrete Aussage darüber geben, ob sich der DAX künftig positiv oder negativ entwickeln wird. Er misst vielmehr lediglich die Hochs und Tiefs des DAX bzw. deren Intensitäten. Gleichzeitig stellt er eine Vereinheitlichung der Berechnungsmethoden dar, denn die Berechnungsmethode des VDAX ist dieselbe, die auch für die Indizes VStoxx und VIX angewendet wird.

Der VDAX ist damit ein Unterindex des Deutschen Aktien Index. Berechnet wird er immer zwischen 09:00 und 17:30 Uhr, wobei hier nur die Börsentage zugrunde gelegt werden. (Foto: Shutterstock-_ Gorodenkoff  )

Der VDAX ist damit ein Unterindex des Deutschen Aktien Index. Berechnet wird er immer zwischen 09:00 und 17:30 Uhr, wobei hier nur die Börsentage zugrunde gelegt werden. (Foto: Shutterstock-_ Gorodenkoff )

Volatilität berechnen

Die Berechnung der Aktienvolatilität erfolgt auf absolute oder prozentuale Weise. Wichtig ist dafür, dass ein Anlagezeitraum definiert wird. Gleichzeitig muss ein Kurswert festgelegt sein. Als Zeitraum für eine Anlage werden in der Praxis häufig ein, drei oder fünf Jahre festgelegt.

Die Berechnung der Schwankungsbreiten ergibt sich aus dem Ergebnis folgender Formel:
(1/n)*((a-i)²+(b-i)²)

Als Variable n gilt die Anzahl der Kurswerte, die innerhalb des festgelegten bzw. betrachteten Zeitraums enthalten sind. Wichtige Kennzahlen sind des Weiteren der Durchschnittswert i sowie die Kurswerte a und b, die gegeben sein müssen. Wer dies besser verstehen möchte, muss in Kontakt mit einem Broker treten und sich die genaue Berechnung exakt auseinandersetzen lassen.

Beispiel für eine Berechnung

Wer diesen Kontakt zum Profi nicht hat, kann auch das folgende Beispiel nutzen, um ein grundlegendes Verständnis für den Schwankungswert von Aktienkursen oder Rohstoffpreisen sowie Wertanlagen jeglicher Art zu entwickeln.

Wichtig dabei: Die Kurswerte werden immer zum Anfang und zum Ende eines Monats festgeschrieben. Für das folgende Beispiel wird als zu betrachtender Zeitraum ein halbes Jahr angenommen.

Die Rendite i berechnet sich dabei wie folgt:

  • 1. Monat
    Anfang: 100 Euro, Ende: 110 Euro
    Rendite: 10 Prozent
  • 2. Monat
    Anfang: 110 Euro, Ende: 112 Euro
    Rendite: 1,8 Prozent
  • 3. Monat
    Anfang: 112 Euro, Ende 100 Euro
    Rendite: – 10,71 Prozent
  • 4. Monat
    Anfang: 100 Euro, Ende: 120 Euro
    Rendite: 20 Prozent
  • 5. Monat
    Anfang: 120 Euro, Ende: 140 Euro
    Rendite: 16,67 Prozent
  • 6. Monat
    Anfang: 140 Euro, Ende: 115 Euro
    Rendite: – 28,57 Prozent

Damit ergibt sich eine durchschnittliche Rendite von gerade einmal 1,53 Prozent. Trotz der zwischenzeitlich starken Zuwächse ist die Rendite auf die Dauer von sechs Monaten gesehen sehr gering, was durch die hohen Verluste im sechsten Monat zu erklären ist. Die Schwankungsbreite bewegt sich nun um die genannten 1,53 Prozent, wobei unterschiedliche Hochs und Tiefs zu verzeichnen sind.

Über den Autor

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

Lassen Sie eine Antwort hier