Vor uns liegt eine interessante Woche

20.09.2010 | München
Das Scheitern der Verringerung der Risikoausweitung in europäischen Randstaaten bedeutet, dass die staatlichen Rettungsmaßnahmen nicht greifen. Der Liste der Industrieländer, die ihre Währung abwerten möchten, steht keine entsprechende Liste von Schwellenländern gegenüber, die froh sind, wenn ihre Währung deutlich aufgewertet wird. Als Folge davon steigen die Spannungen an den Devisenmärkten.

Diese Woche wird interessant werden. Ich denke nicht nur an das FOMC-Treffen am 21. September 2010 in Washington, das zeigen wird, ob die Federal Reserve ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum nach unten korrigieren wird (das sollte sie, und ich vermute, dass sie das auch tun wird) und ihre unkonventionelle Politik ausweitet (das wird sie, aber möglicherweise beschließt sie dies nicht auf diesem Treffen).

Ich denke auch an zwei andere Probleme, die man während der vergangenen Monate in aller Ruhe vor sich hinköcheln ließ, als das zentrale Augenmerk Amerikas "Erholungssommer" galt - oder genauer gesagt, seinem Ausbleiben.

Das erste Problem betrifft Europa. Die Solvabilitätssorgen wachsen dort wieder.

In der vergangenen Woche war Irland der Katalysator, wo Probleme der Banken ernsthafte Befürchtungen auslösen. Aber die darunterliegenden Probleme sind tiefer und komplexer.

Die Risikobewertung europäischer Randstaaten (Griechenland, Irland, Portugal und Spanien) durch die Märkte liegt beim oder kurz vor dem Gefährdungsniveau - trotz der außergewöhnlichen Unterstützung durch EZB, EU und IWF und trotz der Durchsetzung von Bereinigungsmaßnahmen seitens einiger dieser Staaten.

Das Scheitern der Verringerung der Risikoausweitung bedeutet, dass die staatlichen Rettungsmaßnahmen nicht greifen. Statt Vertrauen in bessere künftige Zeiten zu erzeugen und dadurch zu neuen Investitionen zu ermutigen, werden die Stützungsgelder von EZB, EU und IWF von den vorhandenen Investoren genutzt, ihre Risikoinvestments in den gefährdetsten europäischen Randstaaten abzustoßen.

Diese Situation kann nicht ewig aufrechterhalten werden. Sie untergräbt jede Chance, welche die verwundbarsten Staaten (beispielsweise Griechenland) haben, den Zusammenbruch ihres BIP zu begrenzen und den sozialen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten. Sie vergiftet die Bilanz der EZB. Sie setzt die revolvierende Natur der IWF-Ressourcen beträchtlichen Risiken aus. Und sie steigert das Risiko einer neuerlichen Kontamination.

Das zweite Problem ist sogar noch komplexer. Es betrifft das globale Währungsgefüge.

Vergangene Woche hat Japan massiv interveniert, um die Aufwertung seiner Währung zu stoppen. Es tat dies unilateral und wurde sofort von Europa und den USA kritisiert.

Inzwischen hat der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner in einer scharf formulierten Mitteilung an den Kongress zahlreiche Daten von jenen vorgelegt, die der Meinung sind, dass die USA längst China als Währungsmanipulator hätten bezeichnen sollen. Und während China kürzlich das Tempo seiner gesteuerten Aufwertung beschleunigt hat - um 1 Prozent in der vergangenen Woche im Vergleich zu lediglich 1,6 Prozent seit vergangenem Juni, als das Land erklärte, höchst "flexibel" vorgehen zu wollen -, erweist sich dieser Schritt als unzureichend, um den wachsenden Währungsspannungen entgegenzuwirken.

Diese jüngsten Entwicklungen der Devisen rückt eine unbequeme Wahrheit in den Vordergrund. Zwar wollen es nicht alle Industrieländer deutlich sagen, aber sie sind froh darüber (ja, geradezu erpicht darauf), wenn ihre Währungen abgewertet werden. Sie begreifen dies als Hilfe, um die außerordentlich schwierigen Herausforderungen meistern zu können, die mit einer lang andauernden Phase geringen Wachstums, hoher Arbeitslosigkeit und einer begrenzten politischen Effektivität verbunden sind.

Der Liste der Industrieländer, die eine Abwertung ihrer Währungen wünschen, steht keine entsprechende Liste von Schwellenländern gegenüber, die froh sind, wenn ihre Währung deutlich aufgewertet wird. Als Folge davon steigen die Spannungen an den Devisenmärkten, und der Goldpreis ist zu einem neuen Rekordniveau hochgetrieben worden.

Diese Woche wird zeigen, ob die politischen Entscheidungsträger etwas tun können, um diese beiden Probleme anzupacken. Wenn sie weiter schwanken und zaudern, könnte das, was bisher vor sich hingeköchelt hat, in den kommenden Monaten durchaus hochkochen.

Dieser Artikel ist ursprünglich am 19. September 2010 unter ftalphaville.ft.com erschienen.

This material contains the opinions of the author but not necessarily those of PIMCO and such opinions are subject to change without notice. This material has been distributed for informational purposes only and should not be considered as investment advice or a recommendation of any particular security, strategy or investment product. Information contained herein has been obtained from sources believed to be reliable, but not guaranteed. This material was reprinted with permission of the Financial Times. Date of original publication September 19, 2010.

Quelle: Pressemeldung Allianz

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