Schavan: "Deutschland profitiert besonders stark von Europa"
Wissenschaftler aus Deutschland haben eine führende Rolle in Europa. Das zeigt eine Studie zum Sechsten EU-Forschungsrahmenprogramm (FRP), die das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstellt hat. Nach den Ergebnissen der Studie haben Wissenschaftler und Unternehmen hier zu Lande mit drei Milliarden Euro mehr Projektmittel eingeworben als ihre Kollegen in den anderen Ländern der Europäischen Union (EU) - bezogen auf die Laufzeit des Sechsten Forschungsrahmenprogramms (2002 bis 2006). "Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie stark Deutschland vom Forschungsrahmenprogramm profitiert", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan anlässlich der Veröffentlichung der Studie am Freitag. "Deutschland ist auf dem Gebiet der Forschung kein Nettozahler." Dies zeigen die insbesondere Zahlen aus dem Jahr 2006: So gingen 20 Prozent der Mittel aus dem Rahmenprogramm nach Deutschland - das entspricht dem deutschen Anteil am gesamten Haushalt der Europäischen Union. Jenseits dieser Zahlen gibt es nach den Worten der Ministerin weitere starke Vorteile für Wissenschaftler und Unternehmen in Deutschland: "Der Mehrwert der hohen Beteiligung an den europäischen Projekten liegt vor allem in der Netzwerkbildung, im Wissensaustausch und in der Erschließung neuer Märkte."
Unternehmen und Institute hier zu Lande sind nach den Erkenntnissen der ZEW-Autoren begehrte Partner für europäische Forschungskooperationen. Ministerin Schavan: "Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland verleihen der europäischen Forschung die notwendige Kraft für die Bewältigung der großen Herausforderungen für die Zukunft." Hierzu gehörten Wissenschaftsbereiche wie Klima, Energie und Gesundheit.
Erfreut zeigte sich Schavan auch darüber, dass sich Deutschland mit großem Abstand vor Ländern wie Großbritannien und Frankreich platziert hat. Selbst einzelne Bundesländer können sich mit EU-Mitgliedstaaten messen: So stehen Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gemessen an der Höhe der eingeworbenen Gelder in der Rangliste auf den Plätzen acht bis zehn - zwischen Schweden und Österreich. Die Studie zeigte auch, dass Projektanträge unter deutscher Koordinierung besonders erfolgreich waren: 23 Prozent der Anträge mit deutscher Konsortialführung schafften es, in die Förderung zu kommen; damit liegt ihre Erfolgsquote um fünf Prozentpunkte deutlich über dem Durchschnitt.
"Die erfreulich hohe Beteiligung setzt sich auch im Siebten EU-Forschungsrahmenprogramm fort", sagte Schavan. "Die Auswertungen der ersten Ausschreibungsrunden belegen, dass der Stand der deutschen Beteiligung anhaltend hoch ist." Die Ministerin verwies in diesem Zusammenhang auf die große Bedeutung der nationalen Beratungsstrukturen, die ebenfalls durch die ZEW-Studie bestätigt wird. Die hohe Industriebeteiligung ist ein weiteres Merkmal, mit dem sich Deutschland im 6. FRP von anderen Mitgliedstaaten abhebt. Jeder vierte Teilnehmer kommt aus der Wirtschaft, im europäischen Vergleich ist es nur knapp jeder fünfte. Die thematischen Schwerpunkte der deutschen Antragsteller liegen bei den Nano-, Material- und Produktionstechnologien sowie in den Bereichen Luftfahrt und Gesundheit.
Die Forschungsprogramme der EU schaffen auch eine Grundlage für weitergehende internationale Kooperationen: Wissenschaftler aus Deutschland arbeiten in den Projekten des Sechsten Forschungsrahmenprogramms mit Partnern aus 138 Staaten zusammen. Außer den Mitgliedstaaten der EU-27 und den an das 6. FRP assoziierten Staaten sind Forscher aus Russland, China und den USA am häufigsten dabei.
Die Forschungsrahmenprogramme sind das wichtigste Instrument der EU, um die Initiativen bei Forschung und Entwicklung zu bündeln. Für die Gesamtlaufzeit des 6. FRP (2002 bis 2006) wurden mit einem Budget von 16,7 Milliarden Euro in den verschiedenen Themenbereichen insgesamt rund 10.000 Projekte mit 74.400 Beteiligungen von Partnern aus Ländern der EU, assoziierten Staaten und Drittstaaten gefördert.
Quelle: Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und Forschung
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