Langfristiger Anpassungsprozess für CEE

11.05.2009 | Wien
In der neuen Studie "CEE Outlook - beyond the crisis" präsentiert die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) einen längerfristigen Ausblick über Zentral- und Osteuropa (CEE) sowie die Gründe und Auswirkungen der aktuellen Krise.

"Nach einem schmerzhaften Anpassungsprozess wird Osteuropa gegenüber der Eurozone wieder einen Wachstumsvorsprung erzielen", sagt RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek. "Allerdings wird dieser mit rund zwei Prozentpunkten beim realen Wirtschaftswachstum in Hinkunft nur halb so hoch sein wie im letzten Jahrzehnt."

"Dieselben Faktoren, die das Wachstum in CEE in den vergangenen Jahren unterstützt haben, wirken sich nun in einem massiv veränderten globalen Umfeld dämpfend auf die Region aus", so Walter Demel, Senior Analyst der RZB. Zudem gab es beträchtliche Abwertungen einiger CEE-Währungen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar. Die Analysten der RZB sehen die Wechselkurse nun aber großteils fair bewertet. Die Volatilität dürfte jedoch für die Dauer der Krise weiterhin hoch bleiben.

Rückgang ausländischer Direktinvestitionen und Ende des Kreditbooms

Die RZB-Analysten haben drei Hauptgründe für die massive Wirtschaftskrise in der CEE-Region identifiziert:

* die starke Ausrichtung fast aller Volkswirtschaften mit Exporten auf den europäischen Binnenmarkt

* der hohe Anteil ausländischer Investments wegen der geringen inländischen Ersparnisbildung

* das überproportionale Kreditwachstum

Die Folgen sind seit dem vierten Quartal 2008 deutlich ablesbar. Die Analysten beschreiben den stärksten ökonomischen Einbruch seit Beginn des Transformationsprozesses, die substanziellen Wechselkursabwertungen sowie die deutlich gestiegenen Finanzierungskosten für die CEE-Länder.

Der Rückgang der einst hohen ausländischen Direktinvestitionen und Auslandskredite erfordert eine Reduktion der noch bestehenden markanten Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen.

Anpassungsfaktoren für eine nachhaltige Verbesserung

Die RZB-Analysten orten fünf wesentliche Anpassungsfaktoren für eine nachhaltige Verbesserung:

* Lohnsteigerungen, orientiert am Produktivitätswachstum

* Steigerung inländischer Ersparnis

* Investments in Exportbereiche mit hoher Wertschöpfung

* Restriktivere Fiskalpolitik

* Kreditwachstum, angepasst an Einkommens- und Einlagenwachstum

Nach einer quer über die Region feststellbaren Schrumpfung des realen BIPs 2009 stehen auch die folgenden Jahre im Zeichen einer langsamen Erholung. "Erst 2013 dürfte das neue langfristige Potenzialwachstum erreicht werden", prognostiziert Brezinschek, "welches je nach Land auf zwischen dreieinhalb und viereinhalb Prozent geschätzt wird."

Langfristiger Ausblick für CEE bleibt positiv

Die durchschnittlichen Preisniveaus in den CEE-Volkswirtschaften bleiben weiterhin deutlich hinter jenen Westeuropas zurück. Dadurch werden die CEE-Inflationsraten im langfristigen Durchschnitt über den westeuropäischen liegen, auch wenn die globale Wirtschaft derzeit eher deflationäre Tendenzen zeigt. Während in Mitteleuropa nur eine geringe Inflationsdifferenz zu erwarten ist, bleiben die Preistrends in Südosteuropa (über 5 Prozent), aber vor allem Russland und Ukraine (circa 8 Prozent), sehr unterschiedlich und relativ hoch.

Trotz hoher Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren muss festgehalten werden, dass die Lohnstückkosten über die gesamte CEE-Region (mit unter 50 Prozent des österreichischen Niveaus) nach wie vor sehr attraktiv sind. "Wir sehen daher die CEE-Länder weiterhin als besonders wettbewerbsfähige Produktionsstandorte für den europäischen Markt sowie als zukunftsträchtige Absatzmärkte für österreichische Produkte", fasst Demel die Schlussfolgerungen in der Studie zusammen.

Quelle: Pressemeldung Raiffeisen Zentralbank Österreich AG

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