Hohe und volatile Preise weltweit
Das Jahr war jedoch noch aus einem anderen Grund bemerkenswert - einem zwar weniger dramatischen, in seinen langfristigen Auswirkungen jedoch wohl ebenso tief greifenden Grund. Dem BP Statistical Review of World Energy 2009 zufolge übertreffen die Entwicklungsländer, mit China an der Spitze, die OECD-Nationen erstmals beim Verbrauch von Primärenergie.
Bei der Vorstellung des Review sagte BP CEO Tony Hayward: "Der Schwerpunkt der globalen Energiemärkte hat sich deutlich und unwiderruflich in Richtung der Schwellenländer, insbesondere nach China verschoben.Es handelt sich nicht um ein vorübergehendes Phänomen, sondern um eines, das meiner Ansicht nach im Lauf der Zeit noch zunehmen wird. Es wird die Preise beeinflussen und neue Herausforderungen für Wirtschaftswachstum, Energiesicherheit und Klimawandel mit sich bringen."
"Diese Verlagerung wird kurzfristig eine gewisse Volatilität zur Folge haben", warnte Hayward. "Ich habe jedoch keinen Zweifel daran, dass die Vielfalt und Flexibilität moderner Energiemärkte weiterhin sicherstellen werden, dass die Verbraucher weiterhin effizient und ohne Unterbrechungen mit Energie versorgt werden."
BP-Chefvolkswirt Christof Rühl zufolge zeigen die Review-Daten, wie gut die Märkte, trotz der drastischen Umwälzungen in der Weltwirtschaft und bei den Energiepreisen, im Verlauf des Jahres für Energiesicherheit gesorgt haben. "Die freie und unbeeinflusste Funktion der Märkte ist der Schlüssel zum Umgang mit unvermeidlichen Höhen und Tiefen", so Rühl.
Der BP-Statistikbericht weist nachgewiesene Ölreserven von 1.258 Mrd. Barrel aus - ohne den kanadischen Ölsand. Dies wäre unter Berücksichtigung der Fördermengen 2008 ausreichend für weitere 42 Jahre. Auf der gleichen Basis reichen die Gasvorkommen weitere 60 Jahre und Kohle 122 Jahre.
Unter Berücksichtigung der Extreme in der Weltwirtschaft im Jahr 2008 - starkes Wachstum gefolgt von einer steilen Talfahrt - zeigt der Review, dass der generelle Primärenergieverbrauch um lediglich 1,4 Prozent anstieg, die geringste Zunahme seit 2001. Dabei zeichnete allein China für fast drei Viertel des Anstiegs verantwortlich, und für den Rest die erweiterte Region Asien-Pazifik. In der entwickelten Welt (OECD) sank der Energieverbrauch um 1,3 Prozent, dabei war in den USA mit 2,8 Prozent die steilste Talfahrt innerhalb eines Jahres seit 1982 zu verzeichnen.
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Öl
2008 stieg der Durchschnittspreis für die Rohölsorte Dated Brent auf 97,26 US-Dollar pro Barrel - ein Anstieg um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Preissteigerung im siebten Jahr in Folge. Der Jahresdurchschnitt verdeckt jedoch die erheblichen Schwankungen im Jahresverlauf. Zu Jahresbeginn lag der Preis knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel, im Juli betrug der Spitzenwert 144 US-Dollar und zum Jahresende fiel der Preis drastisch auf unter 40 US-Dollar - eine Folge der gesteigerten OPEC-Produktion und des stark rückläufigen Verbrauchs in der zweiten Jahreshälfte.
Über das ganze Jahr sank der weltweite Ölverbrauch um 0,6 Prozent oder 420.000 Barrel täglich; der erste Rückgang seit 1993 und der stärkste Einbruch seit 27 Jahren. Dabei ging die Nachfrage in den OECD-Ländern mit 1,5 Mio. Barrel erheblich zurück - zum dritten Jahr in Folge - während die Nachfrage außerhalb der OECD langsamer zunahm (um nur 1,1 Mio. Barrel pro Tag).
Trotz der allgemein geringeren Nachfrage wuchs die durchschnittliche Ölproduktion um 0,4 Prozent oder 380.000 Barrel pro Tag, begründet vor allem durch Steigerungen der OPEC- Produktion. Trotz Einschnitten zum Jahresende stieg die durchschnittliche OPEC-Ölfördermenge sogar um fast 1 Mio. Barrel pro Tag, bzw. 2,7 Prozent. Dies ist komplett auf den mittleren Osten zurückzuführen: Die Tagesproduktion in Saudi Arabien stieg um bis zu 400.000 Barrel und im Irak um bis zu 280.000 Barrel.
Die Produktion außerhalb der OPEC-Länder verzeichnete mit einem Rückgang um 1,4 Prozent oder 610.000 Barrel pro Tag die steilste Talfahrt seit 1992, wobei die Produktionsmengen aus OECD-Ländern um 4 Prozent oder 750.000 Barrel pro Tag sanken, bedingt durch Einbußen in Nordamerika und Europa. Der größte Einzelrückgang war in Mexiko zu verzeichnen, wo die Produktion um 310.000 Barrel pro Tag sank. Die Produktion in Russland war erstmals seit 1998 rückläufig, und zwar um 90.000 Barrel pro Tag. Die Ölproduktion in Großbritannien sank um 94.000 Barrel pro Tag oder 6,3 Prozent, auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren.
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Gas
Der Gasverbrauch stieg um 2,5 Prozent und lag damit unter dem 10-Jahres-Durchschnitt. Der Verbrauch in den USA nahm um 0,6 Prozent zu, da die Spotmarktpreise deutlich unter dem Ölpreis lagen. Ansonsten war lediglich im Nahen Osten ein überdurchschnittliches Wachstum zu verzeichnen, das durch eine starke Inlandsnachfrage verursacht wurde. An den Ölpreis gebundene Gaspreise in OECD-Europa und Asien-Pazifik stiegen schneller. Dies hatte in Verbindung mit dem Einfluss der Rezession zur Folge, dass der Verbrauch unterdurchschnittlich zunahm.
Der weltweit größte Zuwachs bei der Gasnachfrage war in China zu verzeichnen, wo der Verbrauch um 15,8 Prozent anstieg. Der Gasverbrauch in Großbritannien wuchs um 3 Prozent; wobei Gas nunmehr 39,9 Prozent der Gesamt-Primärenergie in Großbritannien ausmacht - deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 24,1 Prozent.
Die Gasproduktion stieg weltweit um 3,8 Prozent und liegt somit über dem 10-Jahres-Trend von 3 Prozent. Dies wurde insbesondere durch die USA bedingt, die die größte jährliche Zunahme der Gasproduktion jemals verzeichneten. Insbesondere die Entwicklung unkonventioneller Gasressourcen hatte einen Anstieg der Fördermengen um 7,5 Prozent zur Folge - das entspricht dem Zehnfachen der durchschnittlichen Zuwachsrate in den letzten 10 Jahren. Der zweitgrößte Zuwachs kam aufgrund des Anstiegs der Pipeline-Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate aus Katar. Auch in Europa nahm die Gesamtproduktion zu, da die Steigerungen in Dänemark, den Niederlanden und Norwegen den Rückgang in Großbritannien und Deutschland mehr als wettmachen.
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Kohle
Im sechsten Jahr in Folge war Kohle der fossile Brennstoff mit der weltweit stärksten Zuwachsrate, obwohl die Verbrauchssteigerung von 3,1 Prozent unter dem 10-Jahres-Trend lag. China, auf das ganze 43 Prozent der globalen Kohlenachfrage entfallen, war mit einer Steigerung von 6,8 Prozent für 85 Prozent dieser Zunahme verantwortlich. Außerhalb Chinas war die weltweite Nachfrage allerdings nur schwach und wuchs um lediglich 0,6 Prozent, was auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass der Preis für Kohle auf liberalisierten Märkten stärker anstieg als für alle anderen fossilen Brennstoffe. Der Kohleverbrauch in Großbritannien sank um 7,6 Prozent auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren, was teilweise durch Brennstoff-Umstellungen aufgrund der hohen CO2-Preise im EU-Emissionshandelssystem verursacht wurde.
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Sonstige Brennstoffe
Die Erzeugung von Kernkraft ging im zweiten Jahr in Folge zurück (um 0,7 Prozent), verursacht durch einen Einbruch der japanischen Produktion um 10 Prozent, bedingt durch die Schließung des größten Kernkraftwerks nach einem Erdbeben im Jahr 2007. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft setzte ihre jüngsten starke Entwicklung mit einem Zuwachs von 2,8 Prozent fort, der damit in den letzten fünf Jahren zum vierten Mal in Folge über dem 10-Jahres-Durchschnitt lag. Der gesamte weltweite Anstieg kann jedoch wiederum auf den Zuwachs in China in Höhe von 20,3 Prozent zurückzuführen sein - fast das Doppelte des 10-Jahres-Durchschnitts in diesem Land. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft außerhalb Chinas ging um 0,4 Prozent zurück.
Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien legte erneut stark zu, jedoch von einer niedrigen Ausgangslage. Die installierte Windkraft- und Solarkapazität wuchs um 29,9 bzw. 69 Prozent, jeweils mehr als der entsprechende 10-Jahres-Durchschnitt. Die Windkraft-Kapazität in den USA stieg um 49,5 Prozent und überholte dabei Deutschland in Bezug auf die weltweit höchste installierte Windkraft-Kapazität. Die Windkraft-Kapazität in Großbritannien wurde um 36,3 Prozent auf 3,3 Gigawatt ausgebaut, dies entspricht jedoch noch immer weniger als 3 Prozent der weltweit installierten Kapazität.
Quelle: Pressemeldung Deutsche BP AG
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