Exportförderung muss langfristig angelegt sein

17.06.2010 | Frankfurt am Main
"Mit 400 Teilnehmern hat sich der Außenwirtschaftstag bereits im zweiten Jahr seines Bestehens als die Branchenplattform für die exportorientierte Ernährungsindustrie etabliert", zeigte sich Jürgen Abraham, BVE-Vorsitzender mehr als zufrieden.

Abraham forderte Bundesministerin Ilse Aigner, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) auf, "sich langfristig für die Exportförderung der mittelständischen Ernährungsindustrie einzusetzen." "Das ist gut investiertes Steuerzahlergeld", so Abraham auf dem Außenwirtschaftstag.

Gerade die vielen mittleren und kleinen Unternehmen benötigen für die Erschließung neuer internationaler Absatzmärkte konkrete Unterstützung, damit der komplexe und risikobehaftete Weg ins Ausland gelingt.

"Es gilt, die Ernährungsindustrie noch stärker mit den Trägern und Institutionen der Außenwirtschaftsförderung zu vernetzen", erläuterte Jürgen Abraham das Ziel des Außenwirtschaftstages. An die Branche richtete Abraham den Appell zu engerer Kooperation im Auslandsvertrieb, um Risiken und Kosten besser schultern zu können.

Über 40 Experten aus dem In- und Ausland informierten auf dem 2. Außenwirtschaftstag von BVE, BMELV und Auswärtigem Amt über internationale Märkte und zukünftige Trends. Es wurden Absatzpotentiale und Handelshemmnisse analysiert, aber auch Aspekte nachhaltiger Entwicklung und Möglichkeiten von Private Public Partnership erörtert und diskutiert.

Geschäftslage in der Ernährungsindustrie stabil

Die Umsätze der Ernährungsindustrie zeigen sich in der ersten Jahreshälfte 2010 stabil. Nach Berechnungen der BVE wird im ersten Halbjahr ein nominaler Umsatz von 72,9 Mrd. € zu erwarten sein; nur 0,2% unter dem Vorjahreshalbjahr. Die Beschäftigungssituation in der Branche ist positiv zu sehen; entgegen dem Gesamttrend in der Industrie konnten die rd. 535.000 Arbeitsplätze in der Ernährungsindustrie erhalten werden.

Probleme bereitet den Lebensmittelherstellern die anhaltend negative Preisentwicklung. Die BVE erwartet einen Rückgang der Verkaufspreise der Ernährungsindustrie von 1,6% in den ersten 6 Monaten dieses Jahres. Der ruinöse Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel scheint kein Ende zu nehmen. In vielen mittelständischen Unternehmen ist die Ertragsdecke bereits dünn geworden, vielen fehlt die Kraft zur Finanzierung von Innovationen und Investitionen.

Schlechte Preise und Erträge im Inland machen es für die Unternehmen attraktiv, den Ausbau des internationalen Geschäfts voranzutreiben. Die Erschließung ausländischer Absatzmärkte ist ein strategisches "Muss" für die Ernährungsindustrie.

Exporte im Aufwind

Die Exporte der Branche erreichten 2009 einen Wert von 39,3 Mrd. €. Die Exportquote von 26,4% belegt die konsequente Geschäftspolitik der Unternehmen. Vor zehn Jahren lag die Exportquote der Branche noch bei 17%.

Schwerpunkt der Tätigkeit der Unternehmen ist der Europäische Binnenmarkt, auf den 83% der Auslandsumsätze entfallen. Die wichtigsten Exportbranchen sind Fleisch und Fleischwaren, Milchprodukte und Süßwaren.

Aufgrund der vorliegenden statistischen Daten geht die BVE von einem Exportumsatz von 18,4 Mrd. € im ersten Halbjahr 2010 aus. Das entspräche einem Zuwachs von 1,5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Laut "PwC-Exportbarometer der deutschen Ernährungsindustrie im Auftrag der BVE" vom 9. Juni 2010 erwarten die Exportleiter der Ernährungsindustrie eine moderate Verbesserung des Exportklimas. Als besonders günstig werden die Exporterwartungen für Märkte außerhalb der EU wie Russland, Japan und Australien beurteilt.

Quelle: Pressemeldung Bundesverband Ernährung

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