Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2008 nur noch moderat gewachsen
Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) war das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,3% höher als im Jahr zuvor. 2007 hatte das Wirtschaftswachstum noch 2,5% und 2006 sogar 3,0% betragen.
Die Wirtschaftsleistung wurde im Jahresdurchschnitt 2008 von 40,4 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 582 000 Personen mehr (+ 1,5%) als ein Jahr zuvor. Damit wurde der höchste Beschäftigungsstand seit der Wiedervereinigung erreicht. Die Zahl der Erwerbslosen (internationale Abgrenzung) sank nach vorläufigen Schätzungen auf Basis der Arbeitskräfteerhebung um 471 000 (− 13,1%) auf 3,1 Millionen Personen. Das ist die niedrigste Erwerbslosenzahl seit 1993.
Die Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, ist 2008 um 0,2% und je Erwerbstätigenstunde um 0,1% gesunken. Zuvor war seit 1992 die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität sowohl je Erwerbstätigen als auch je Erwerbstätigenstunde stets gestiegen.
Auf der Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts trugen alle Wirtschaftsbereiche positiv zum Wachstum bei. Das Produzierende Gewerbe (ohne Baugewerbe) und der Bereich Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister verzeichneten allerdings deutlich niedrigere Zuwachsraten als 2007. Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung des Produzierenden Gewerbes stieg um 0,7% (nach + 5,2% im Jahr 2007), die des Bereichs Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister um 1,7% (2007: + 3,6%). Positiv entwickelt hat sich erneut das Baugewerbe, das seine Wirtschaftsleistung um 3,3% steigern konnte. Eine deutlich höhere Wirtschaftsleistung als im Vorjahr erzielten auch der Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr (+ 1,9%) sowie die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (+ 4,0%). Die Bruttowertschöpfung der öffentlichen und privaten Dienstleister war um 0,9% höher als im Jahr 2007.
Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts kamen 2008 die Wachstumsimpulse ausschließlich aus dem Inland. Die Bruttoinvestitionen, die sich aus den Bruttoanlageinvestitionen - das sind im Wesentlichen Ausrüstungsinvestitionen und Bauinvestitionen - sowie den Vorratsveränderungen zusammensetzen, legten um 6,1% zu. Im Jahr 2008 erhöhten die Unternehmen erneut ihre Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge (+ 5,3%), die Investitionsdynamik hat allerdings nachgelassen; 2007 hatten die Ausrüstungsinvestitionen im Vorjahresvergleich noch um 6,9% und in 2006 sogar um 11,1% zugenommen. Die Bauinvestitionen stiegen 2008 um 2,7%. Während sich die Wohnungsbauinvestitionen nur verhalten entwickelten (+ 0,7%), nahmen die Investitionen in Nichtwohnbauten um 5,6% zu - das ist die höchste Zuwachsrate seit 1992. Insbesondere die Hochbauinvestitionen verzeichneten dabei mit + 7,8% eine sehr hohe Steigerung. Die Vorratsveränderungen trugen mit 0,3 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum bei. Niedrige Rohstoffpreise und eine in einigen Wirtschaftsbereichen schwierige Absatzsituation in der zweiten Jahreshälfte haben bei vielen Unternehmen zu einer kräftigen Erhöhung der Lagerbestände geführt.
Die Konsumausgaben nahmen 2008 um 0,5% zu. Das ist ausschließlich auf eine Erhöhung des Staatskonsums um 2,2% zurückzuführen. Die privaten Konsumausgaben blieben im Vergleich zum Vorjahr unverändert.
Der Außenbeitrag, also die Differenz zwischen der Ausfuhr und der Einfuhr von Waren und Dienstleistungen, der in den vergangenen Jahren ein wichtiger Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft war, verzeichnete 2008 einen negativen Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten und bremste die wirtschaftliche Entwicklung. Hauptgrund dafür ist vor allem eine im Vergleich zu den vorangegangen Jahren deutlich geringere Zunahme der Auslandsnachfrage bei einer weiterhin ungebrochenen Importneigung der deutschen Wirtschaft. Die deutschen Exporte stiegen 2008 um 3,9%, nachdem sie im Jahr 2007 noch um 7,5% und in 2006 sogar um 12,7% gewachsen waren. Gleichzeitig erhöhten sich die Importe preisbereinigt um 5,2% und entwickelten sich damit noch etwas stärker als 2007 (+ 5,0%).
Das Volkseinkommen, das sich aus dem Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammensetzt, ist 2008 um 2,9% auf 1 880 Milliarden Euro gestiegen. Davon entfielen 1 226 Milliarden Euro auf das Arbeitnehmerentgelt - das waren 3,6% mehr als im Vorjahr. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen verzeichneten 2008 eine Zunahme von 1,7% und betrugen 655 Milliarden Euro. Die Lohnquote, die den Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen misst, stieg gegenüber dem Jahr 2007 um 0,4 Prozentpunkte auf nunmehr 65,2%.
Die Bruttolöhne und -gehälter nahmen 2008 um 3,9% zu und beliefen sich auf rund 996 Milliarden Euro. In diesem kräftigen Zuwachs - es ist der höchste seit 1992 - spiegeln sich sowohl die Lohn- und Gehaltssteigerungen des Jahres 2008 als auch der erneute Beschäftigungszuwachs wider. Die Nettolöhne und -gehälter, die sich nach Abzug der Lohnsteuer und der Sozialbeiträge der Arbeitnehmer ergeben, lagen mit gut 642 Milliarden Euro um 3,0% über dem Niveau des Vorjahres. Sowohl die von den Arbeitnehmern abgeführte Lohnsteuer (+ 5,9%) als auch die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer (+ 5,2%) sind deutlich angestiegen. Ursache für die höheren Sozialbeiträge sind unter anderem die Erhöhung des Mindestbeitragssatzes zur privaten Altersvorsorge und die Anhebung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung.
Die Anzahl der Arbeitnehmer erhöhte sich im vergangenen Jahr um 1,6%. Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer stiegen um 2,3% und die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter um 1,4%.
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte nahm 2008 um 2,6% auf 1 553 Milliarden Euro zu. Das ist die höchste Wachstumsrate seit 2001. Wie bereits im Jahr 2007 blieb auch 2008 die Entwicklung der in jeweiligen Preisen berechneten Konsumausgaben der privaten Haushalte mit + 2,2% hinter dem Anstieg des verfügbaren Einkommens zurück. Die Sparquote der privaten Haushalte stieg dementsprechend um 0,6 Prozentpunkte auf 11,4%. Einen so hohen Wert gab es zuletzt 1994.
Der Staatssektor, der sich aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen zusammensetzt, wies im Jahr 2008 nach noch vorläufigen Berechnungen ein Finanzierungsdefizit in Höhe von 1,6 Milliarden Euro aus. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen errechnet sich für den Staat eine Defizitquote von 0,1%. Das Ziel eines ausgeglichenen Finanzierungssaldos wurde vor allem deshalb verfehlt, weil der Finanzierungssaldo des Staates sowohl 2007 als auch 2008 durch Einmaleffekte stark beeinflusst wurde. Diese resultierten zum einen aus den europäischen Regeln zur Buchung bestimmter Stützungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Finanzkrise und zum anderen aus dem im Dezember 2008 verkündeten Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur so genannten Pendlerpauschale. Ohne diese Einmaleffekte hätte der Staat 2008 einen Finanzierungsüberschuss erzielt.
Am 13. Februar 2009 wird das Statistische Bundesamt erste Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen für das vierte Quartal 2008 und die überarbeiteten Ergebnisse für das Jahr 2008 veröffentlichen (nur BIP); am 25. Februar 2009 folgen die detaillierten Ergebnisse.
Die im August 2008 veröffentlichten Ergebnisse für die Jahre 1991 bis 2007 wurden - wie immer zum jetzigen Zeitpunkt - nicht überarbeitet.
Quelle: Pressemeldung Statistisches Bundesamt
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