Bilanzpressekonferenz der Freudenberg-Gruppe
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Freudenberg-Gruppe einen Umsatz von 5,05 Milliarden Euro erwirtschaftet (nominal ./. 5,5 % gegenüber Vorjahr). Bereinigt um Veränderungen im Konsolidierungskreis und um Wechselkurseinflüsse liegt der Umsatz auf Vorjahreshöhe. Der nominale Umsatzrückgang ist überwiegend auf die abgegebenen Geschäftsbereiche (Bodenbelags- und Bremsschlauchgeschäft) zurückzuführen.
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit verringerte sich vor allem auf Grund von Restrukturierungsmaßnahmen um 26 Prozent auf 285 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Zum Jahresende beschäftigte Freudenberg 32.738 Mitarbeiter, 1.592 weniger als am Stichtag 2007.
"Wir haben auf Grund des Ausmaßes der Finanzkrise seit Mitte 2008 mit der Möglichkeit einer weltweiten Depression gerechnet, und deshalb sowohl prophylaktisch die Liquidität erhöht, als auch frühzeitig im Jahr 2008 mit weitreichenden Kapazitätsanpassungen begonnen", sagte Dr. Peter Bettermann, Sprecher der Unternehmensleitung Freudenberg, bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag in Frankfurt. Freudenberg sieht sich gut gerüstet für den stattfindenden Strukturwandel und will gestärkt aus der Krise hervorgehen. Dieses Ziel soll mit folgenden Maßnahmen erreicht werden:
* Die Unternehmensstruktur mit unternehmerisch handelnden, operativ eigenverantwortlichen Geschäftseinheiten weiter entwickeln
* Anpassungen mit Nachdruck im konstruktivem Dialog mit den Arbeitnehmer-Vertretern je nach Markterfordernissen der einzelnen Geschäftseinheiten sehr spezifisch vornehmen
* Hohe Liquidität halten
* Umsetzung der Strategie von gezielten Investitionen in spezifische Märkte konsequent fortsetzen
* Aktivitäten in Forschung und Entwicklung fortführen
Freudenberg hat über seine lange Geschichte hinweg viel Erfahrung im Umgang mit dem Wandel gesammelt. "Jetzt geht es darum, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu sichern und gleichzeitig die Weichen für die Zeit nach der Krise zu stellen", sagte Bettermann.
Unternehmerisch handelnde Geschäftseinheiten
"Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind schnelle Marktreaktionen gefragt: Hohe Entscheidungskompetenz und die Selbstverantwortung der Einzelgesellschaften ermöglichen der Freudenberg-Gruppe schnell auf Kundenwünsche und Markterfordernisse zu reagieren. Insofern hat sich die operativ stark dezentrale Organisationsstruktur gerade in der Krise enorm bewährt. Dazu führt diese breite Aufstellung von Freudenberg in vielen unterschiedlichen Branchen und Märkten zu einer erheblichen Risikostreuung", unterstrich Bettermann.
Die Geschäftseinheiten von Freudenberg entscheiden dezentral über alle jetzt notwendigen Anpassungsmaßnahmen, da sie ihre Märkte und Auftragsentwicklung am besten beurteilen können. Damit ist sichergestellt, dass Entscheidungen dort vorbereitet werden, wo der Einblick ins Tagesgeschäft und die Strukturveränderungen bei den Kunden am größten ist.
Anpassungen
Freudenberg hat frühzeitig auf die veränderte Auftragslage reagiert und weitreichende Kapazitätsanpassungen vorgenommen. So wurden in den letzten zwölf Monaten in den USA vier und in Spanien eine Produktionsstätte im Zuge der Krise geschlossen und in vielen weiteren Einheiten Anpassungen durchgeführt oder eingeleitet. Geplante Investitionen wurden einer erneuten Überprüfung unterzogen und fallweise zurückgestellt. Bis in das dritte Quartal gab es in vielen Geschäftsgruppen einen hohen Auftragseingang, der nur mit Sonderschichten und Zusatzpersonal zu bewältigen war. Ab dem vierten Quartal bewährten sich die flexiblen Arbeitszeitmodelle - es wurden zunächst Urlaubstage, Überstunden und Zeitarbeitsverträge abgebaut, um auf oft drastische Rückgänge der Kundennachfrage zügig zu reagieren. Seit Jahresbeginn wurde in vielen Freudenberg-Betrieben Kurzarbeit eingeführt.
Für das laufende Geschäftsjahr geht Freudenberg davon aus, dass erhebliche weitere Kapazitätsanpassungen nötig sein werden, um sich an die strukturellen Veränderungen der Kundenerfordernisse anzupassen.
Liquidität
Die gute Liquidität zählt neben der traditionell hohen Eigenkapitalquote zu den Vorsorgemaßnahmen. Im Sommer des vergangenen Jahres hat sich das Unternehmen zusätzliche langfristige Kreditlinien gesichert. Die Ratingagentur Moody's hat dem Unternehmen zum Jahresende 2008 mit einem A3 Rating eine solide Finanzlage bescheinigt. Mit einer Quote von fast 47 Prozent verfügt Freudenberg zudem über eine hohe Eigenkapitalausstattung.
Zukunftsmärkte
Als Zulieferer technisch anspruchsvoller Produkte und Beratungsleistungen wird das Unternehmen weiter in Zukunftsmärkte investieren.
"Wir verstärken gezielt unser Engagement in ausgewählten Segmenten der allgemeinen Industrie, in denen wir besondere Wachstumschancen sehen. Insbesondere sind das die Märkte Öl und Gas, Medizintechnik, erneuerbare Energien, Luftfahrt und Schwerhydraulik", sagte Jörg Sost, Mitglied der Unternehmensleitung, in seinem Bericht und hob die Wandlungsfähigkeit des Unternehmens in der 160-jährigen Geschichte hervor.
Im Jahr 2008 hat die Unternehmensgruppe zur weiteren Stärkung des Medizintechnikbereichs die Anura Plastics Engineering mit Sitz in Baldwin Park, USA, erworben. Die Gründung der Gesellschaft Helix Medical Europe mit Sitz in Kaiserslautern im März dieses Jahres untermauert die Investitionsvorhaben in diesem zukunftsträchtigen Segment. Kaiserslautern wird damit die europäische Zentrale für das Medizintechnikgeschäft.
Mit drei Akquisitionen hat Freudenberg 2008 seine Aktivitäten im Öl- und Gasgeschäft ausgebaut:
* Tetralene Inc. und Tetralene Elastomer Inc, Houston, Texas, USA
* Petroleum Elastomers L.P., Houston, Texas, USA
* Vestpak AS, Sandnes, Norwegen
Das Geschäftsjahr 2008 in Zahlen
Der Umsatz lag um 5,5 Prozent unter dem Vorjahr und sank um 291 Millionen Euro auf 5,050 Milliarden Euro. Der Umsatzrückgang resultiert weitgehend aus dem Verkauf des Bodenbelags- und Bremsschlauchgeschäftes. Hinzu kommen negative Wechselkurseinflüsse aus der Umrechnung der Umsätze der ausländischen Tochterunternehmen, vor allem in den USA und Großbritannien. Bereinigt um diese Effekte verblieb der Umsatz nahezu auf Vorjahreshöhe (./. 0,4 Prozent).
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeiten reduzierte sich um 26 Prozent auf 285 Millionen Euro. Der starke Rückgang entstand zum einen aus deutlich über dem Vorjahr liegenden Kosten und Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen sowie aus Wertberichtigungen. Darüberhinaus reduzierte sich das Ergebnis durch die abgegebenen Geschäfte.
Der Konzerngewinn sank um 99 Millionen auf 176 Millionen Euro.
Die Bilanzsumme der Unternehmensgruppe hat sich gegenüber dem Vorjahr im Jahr 2008 um 233 Millionen Euro auf 4,861 Milliarden Euro erhöht. Die Steigerung von fünf Prozent resultiert vor allem aus dem Zuwachs der langfristigen Vermögenswerte und der Erhöhung des Wertpapierbestandes infolge Anlage operativ nicht erforderlicher Liquidität.
Absolut erhöht hat sich das Eigenkapital um rund 138 Millionen auf 2,278 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt damit fast 47 Prozent. Die Nettoverschuldung (inklusive Guthaben der Gesellschafter) ist um 57 Millionen Euro gestiegen und beträgt rund 684 Millionen Euro.
Der Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug 393 Millionen Euro und überstieg wieder den Cash Flow aus der gesteigerten Investitionstätigkeit
(./. 384 Millionen Euro). Der Mittelzufluss aus Finanzierungstätigkeit liegt bei
132 Millionen Euro.
Wachstum in den Emerging Markets
Der seit Jahren konsequent betriebene Geschäftsaufbau, in den Regionen China, Indien und Brasilien, trägt stabilisierend zum Umsatz bei. Freudenberg geht davon aus, dass sich diese Regionen deutlich besser entwickeln werden als die Märkte in Europa und USA.
Mitarbeiter
Am 31. Dezember 2008 beschäftigte die Unternehmensgruppe Freudenberg 32.738 Mitarbeiter, das sind 1.592 weniger als im Vorjahr. Die Personalzahl entwickelte sich in den Regionen unterschiedlich. In Deutschland stieg die Zahl um 221 auf 11.487.
In der EU (ohne Deutschland) sank die Mitarbeiterzahl um 657 (Vorjahr plus 1.049) auf 9.525. In Asien wuchs die Zahl (inklusive der anteilsmäßigen Mitarbeiter der Joint-Ventures) um 149 (Vorjahr plus 417) auf 3.319, in Süd-/Zentralamerika sank sie um 15 (Vorjahr plus 50) auf 1.437, während in Afrika und Australien die Mitarbeiterzahl mit 365 (Vorjahr 355) leicht anstieg. Deutliche Rückgänge von 1.369 (Vorjahr plus 158) auf 5.988 sind in Nordamerika zu verzeichnen.
Weiter entwickelte Innovationsstrategie
Die Unternehmensgruppe Freudenberg hat im Jahr 2008 insgesamt 195 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Im Berichtsjahr arbeiteten in diesem Bereich der Freudenberg-Gruppe rund 1.900 Mitarbeiter. Regionaler Schwerpunkt mit 1.334 Mitarbeitern ist nach wie vor Deutschland.
Freudenberg will seinen Umsatzanteil mit neuen Produkten unter Einsatz von innovativen Materialien deutlich ausbauen. Dafür arbeiten die Geschäftsgruppen eng mit den Kunden zusammen. Die zentrale Forschung und Entwicklung untersucht und entwickelt Produkte für Anwendungen in neuen Geschäftsfeldern und Märkten.
Besonders im Fokus stehen alternative Antriebskonzepte. "Die Automobilindustrie ist unsere größte Kundengruppe und damit für uns nach wie vor ein Innovationstreiber", erklärt Sost. Freudenberg forscht an Komponenten für Lithium-Ionen Batterien, die bei Hybrid- und bei Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Brennstoffzelle bleibt weiter ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungsthema. Im April hat das Unternehmen auf der Hannover Messe neue Komponenten für Brennstoffzellen gezeigt. Dehnbare Elektronik ist ein weiterer Schwerpunkt. Dabei geht es um eine bequeme, körpergerechte und dehnbare Elektronik vor allem für die Medizintechnik und im Automobilbereich. Ein Beispiel sind textile Kabel etwa für die Dialyse.
Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und Recyclingmaterialien wurde mit der neuen vileda Produktserie "Naturals" konsequent umgesetzt. Auch bei Freudenberg Politex werden heute fast ausschließlich Rezyklate eingesetzt, insbesondere durch eigene Aufbereitung und Wiederverwertung von PET-Flaschen.
Im Bereich regenerativer Energien liefert Freudenberg unter anderem Spezialdichtungsprodukte an Hersteller von Windkraftanlagen. Die Dichtprofile mit einem Außendurchmesser von 1,5 bis 3,5 Meter wurden entwickelt für die Abdichtung der Rotorblätterlagerung und der Turmlagerung. Sie schützen gegen Witterungseinflüsse und Schmierfettaustritt. Diese Dichtungen müssen besonders harte Bedingungen aushalten und sowohl bei Hitze in der Wüste als auch bei extremer Kälte in Sibirien die Lebensdauer der Anlagen sicher stellen.
Umwelt- und Arbeitsschutz
Im Jahr 2008 blieben die Investitionen in den technischen Arbeitsschutz mit mehr als 20 Millionen Euro auf hohem Niveau. Im Rahmen des mehrjährigen Programms zur Verbesserung der Maschinensicherheit für mehr als 170 Produktions- und Servicestandorte wurden kontinuierlich Verbesserungen vorgenommen. Die Kosten für weitere Optimierung im Umweltschutz lagen bei acht Millionen Euro.
Als Folge der Umweltschutz- und Arbeitssicherheitsinitiative "We all take care" und weiterer Aktivitäten auf allen Ebenen der Unternehmensgruppe ist die Zahl der Unfälle pro 1.000 Mitarbeiter, die mehr als drei Tage Arbeitsausfall nach sich zogen
(1.000-Mitarbeiter-Quote), zum siebten Mal in Folge gesunken und liegt bei 3,2 (Vorjahr: 3,96). Auch nach der international gebräuchlichen LDI-Quote (Lost day Incidents), die sämtliche Unfälle mit einem oder mehreren Ausfalltagen je 1.000 Mitarbeitern misst, sank die Freudenberg-Unfallquote von 7,4 (2007) auf 5,8 (2008).
Freudenberg im Wandel
In diesem Jahr wird Freudenberg 160 Jahre alt. In der langen Firmengeschichte hat das Unternehmen schwierige Zeiten nicht nur erfolgreich überstanden, sondern dabei die Chancen zur strukturellen Weiterentwicklung entschlossen genutzt. So wurde zum Beispiel während der Weltwirtschaftskrise 1929 / 33 in der damaligen Gerberei ein neuer Geschäftszweig für Dichtungen (mit der Entwicklung des Simmerrings 1932) aufgebaut. Durch Zukäufe stieg Freudenberg in das Schuhgeschäft (Tack und Elefanten-Schuhe im Jahr 1933) ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Freudenberg die Vliesstoffproduktion und stieg in das Haushaltsproduktgeschäft ein (1948 Einführung der Marke vileda).
Die Ölkrise in den 70er Jahren führte zur Produktion von elektromechanischen Bauteilen und gedruckten Schaltungen. Heute produziert Freudenberg mit seinen japanischen Partnern flexible Leiterplatten für elektrische und elektronische Anwendungen.
Mit der Krise der Automobilindustrie in den 90er Jahren richtete das Unternehmen sich organisatorisch durch die Aufteilung in selbstständig agierende Geschäftsgruppen und -bereiche neu aus und erweiterte die Geschäftsaktivitäten zum Beispiel um Gleitringdichtungen, Medizintechnik und Aktivitäten auf dem Gebiet der regenerativen Energien.
Quelle: Pressemeldung Freudenberg & Co. Kommanditgesellschaft
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