Bayer Schering Pharma entwickelt mit OncoMed Pharmaceuticals neuartige Therapeutika

17.06.2010 | Leverkusen
Die Bayer Schering Pharma AG und das kalifornische Unternehmen OncoMed Pharmaceuticals, Inc. wollen gemeinsam an der Erforschung, Entwicklung und Vermarktung neuartiger Therapeutika gegen Krebsstammzellen arbeiten.

Dabei zielt die heute geschlossene Vereinbarung auf die Entwicklung von Hemmstoffen für einen bestimmten zellulären Informationsweg (sogenannte Wnt-Signaltransduktion), der möglicherweise für die Entwicklung von Krebszellen bedeutsam ist.

Den Krebsstammzellen - einer Untergruppe der Tumorzellen - wird eine bedeutende Rolle bei der Entstehung, Metastasierung und dem Wiederauftreten von Krebs zugesprochen. Potenziell könnten Inhibitoren des Wnt-Signalweges für zahlreiche Tumorindikationen entwickelt werden.

Die strategische Allianz mit OncoMed verschafft Bayer Schering Pharma eine Option zur exklusiven Lizenznahme verschiedener Antikörper- und Proteintherapeutika-Kandidaten aus dem Bereich des Wnt-Signalweges. Die Option kann bis zum Abschluss klinischer Phase-I-Studien zu jedem Zeitpunkt ausgeübt werden. Darüber hinaus werden Bayer und OncoMed Technologien und Expertise gemeinsam nutzen, um neben den Proteintherapeutika auch niedermolekulare Inhibitoren des Wnt-Signalweges zu erforschen und zu entwickeln.

"Bei Bayer sehen wir weiterhin einen hohen medizinischen Bedarf an Krebsbehandlungen. Die Zusammenarbeit mit OncoMed dient der Entwicklung solch innovativer Behandlungsmöglichkeiten", sagte Prof. Andreas Busch, Leiter des Bereichs Global Drug Discovery und Vorstandsmitglied bei Bayer Schering Pharma. "Die Entwicklung von Therapeutika gegen Krebsstammzellen ist ein hoch innovativer Ansatz mit dem Potenzial, unser Portfolio zur Bekämpfung von Krebs perfekt zu ergänzen. Die Erforschung der Krebsstammzellen könnte sich als eines der noch fehlenden Teile in der heutigen Krebstherapie erweisen."

"Die Zusammenarbeit mit Bayer bietet die einmalige Gelegenheit, eine völlig neue Klasse von Therapeutika gegen Krebsstammzellen gemeinsam mit einem der führenden pharmazeutischen Unternehmen der Welt zu entdecken und zu entwickeln. Bayer teilt unsere Vision, dass Therapeutika gegen Krebsstammzellen ein großes Potenzial haben, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit", sagte Paul J. Hastings, Präsident und CEO von OncoMed. "OncoMed verfügt über eine ganze Reihe von Produktkandidaten, die auf kritische Signalwege in Krebsstammzellen abzielen. Durch diese Kooperation werden wir erhebliche finanzielle Mittel zur Erforschung und Entwicklung von Therapeutika im Bereich des Wnt-Signalweges erhalten. Gleichzeitig werden wir auf Basis unserer bereits soliden Liquidität sowie weiteren Forschungsgeldern aus anderen Kooperationen alle bestehenden Forschungsprogramme über die nächsten Jahre finanzieren und weiterführen können."

Im Rahmen der Vereinbarung wollen Bayer und OncoMed therapeutische Antikörper, andere Proteintherapeutika und niedermolekulare Substanzen als potenzielle neue Behandlungsoptionen gegen Krebsstammzellen entwickeln, die in den Wnt-Signalweg eingreifen. Zusätzlich zu einer Einmalzahlung von 40 Millionen USD wird OncoMed - in Abhängigkeit vom Erreichen bestimmter Ziele der Entwicklung und Vermarktung von Produktkandidaten - Meilensteinzahlungen erhalten. Die Zusammenarbeit umfasst die Entwicklung von bis zu fünf Produktkandidaten. Die Vereinbarung sieht zudem potenzielle signifikante Meilensteinzahlungen in näherer Zukunft vor. Abhängig von der Anzahl erfolgreich entwickelter und zugelassender Arzneimittelkandidaten können die Zahlungen an OncoMed je Entwicklungsprogramm bis zu 387,5 Millionen USD (Biologika) beziehungsweise bis zu 112 Millionen USD (niedermolekulare Kandidaten) betragen. Dabei sind potenzielle Meilensteinzahlungen in Abhängigkeit vom Nettoverkaufserlös vermarkteter Produkte bereits eingeschlossen.

OncoMed wird seine humanen Krebsstammzellenmodelle einsetzen, um drei potenzielle Antikörper- und Proteintherapeutika mit neuartigem Wirkmechanismus zu erforschen und bis zur klinischen Phase I zu entwickeln. Bayer Schering Pharma erhält die exklusive Option, jederzeit Lizenzrechte an diesen Produktkandidaten bis zur Vollendung der Phase-I-Studien zu erwerben. Bei Optionsausübung wird Bayer die Entwicklung und Vermarktung der lizenzierten Produktkandidaten übernehmen und hat das Recht, zugelassene Produkte weltweit zu vermarkten. Nach deren Markteinführung sind Lizenzgebühren im zweistelligen Prozentbereich vereinbart, deren Höhe sich am Erreichen bestimmter Umsatzgrößen orientiert. Der Vertrag sieht zudem vor, dass OncoMed biologische Therapeutika auch gemeinsam mit Bayer entwickeln kann. Die Zusammenarbeit schließt beispielsweise den Antikörperkandidaten OMP-18R5 von OncoMed ein, dessen klinische Entwicklung nach aktueller Planung im Jahr 2011 beginnen soll.

Neben der Entwicklung der zuvor beschriebenen Biologika, wird Bayer auf Basis seiner eigenen Expertise niedermolekulare Substanzen erforschen und entwickeln, die ebenfalls auf die Modulation des Wnt-Signalweges abzielen. OncoMed wird Bayer bei der Bewertung und Weiterentwicklung dieser Produktkandidaten durch Einsatz ihrer In-vitro- und In-vivo-Modellsysteme unterstützen. Für auf den Markt gebrachte niedermolekulare Substanzen sind Lizenzgebühren in einstelliger Prozenthöhe vereinbart, deren Höhe ebenfalls vom Erreichen bestimmter Umsatzhöhen abhängt.

Über Krebsstammzellen und den Wnt-Signalweg

Krebsstammzellen - eine kleine, robuste Untergruppe von Zellen in Tumoren - besitzen die Fähigkeit, sich selbst zu erneuern und zu differenzieren. Sie sind eine Ursache für die Entstehung von Tumoren und deren Wachstum, Wiederauftreten (Rezidive) und Metastasierung. Sie werden deshalb auch als Tumor-initiierende Zellen bezeichnet. Krebsstammzellen wurden zuerst durch die OncoMed-Gründer bei Brustkrebs entdeckt und sind in der Folge in vielen anderen Arten solider Tumore gefunden worden - darunter in Kopf- und Nackenkrebs, Lungen-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreas) sowie bei Hirntumoren (Glioblastoma).

Krebsstammzellen scheinen sowohl gegenüber üblicher Chemotherapie als auch gegen Strahlentherapie resistent zu sein. Die Strategie von OncoMed zur Verbesserung der Krebsbehandlung ist es, spezifisch in die Signalwege einzugreifen, von denen man glaubt, dass sie für das Überleben der Krebsstammzellen entscheidend sind. Die Antikörper-Therapeutika des Unternehmens zielen auf spezifische Proteine in Krebsstammzellen und haben das Potenzial, für eine Vielzahl solider Tumortypen entwickelt werden zu können.

OncoMed hat neben dem Wnt-Signalweg noch weitere Signalübertragungswege in Krebsstammzellen identifiziert. Mit dem Eingriff in diese wichtigen Signalwege bieten Therapeutika die Möglichkeit, die Aktivität von Krebsstammzellen zu blockieren. In vorklinischen Studien mit monoklonalen Antikörpern, die in den Wnt-Signalweg eingreifen, haben die Wissenschaftler von OncoMed bereits die Wirksamkeit gegen eine ganze Reihe solider Tumore und Krebsstammzellen beobachten können.

Quelle: Pressemeldung Bayer Schering Pharma AG

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