Ausblick 2009: Konjunktureinbruch erreicht Zentral- und Osteuropa

09.01.2009 | Wien
Für Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB), hat der globale Konjunktureinbruch nun auch Zentral- und Osteuropa (CEE) erreicht.

"Obwohl die Binnenwirtschaften durch privaten Konsum und Investitionen gestützt wurden, macht sich die Eintrübung der Stimmung in allen osteuropäischen Volkswirtschaften bemerkbar", meint Brezinschek.

Birgit Kuras, Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank AG, sieht den ATX anfangs unter Druck, geht aber von einer deutlichen Belebung der Aktiennachfrage im zweiten Halbjahr 2009 aus.

Stefan Maxian, Head of Company Research die OMV, nennt die Österreichische Post, CEZ, Telefonica O2 CR und Asseco Poland als Empfehlungen.

Anpassungsprozess in Osteuropa eingeleitet

Die Aussichten für Exporte haben sich durch die schlechte globale Konjunkturlage spürbar eingetrübt. Die günstigen Kreditfinanzierungsmöglichkeiten haben sich durch das Abreißen der Kapitalströme verschlechtert. Das Lohnwachstum der letzten Jahre hat die Produktivitätsentwicklung deutlich übertroffen. Dies reduziert die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität für Auslandsinvestitionen. Um das langfristige Wachstumspotenzial wieder auszuschöpfen, wurde ein Anpassungsprozess eingeleitet, der auch 2010 seine Spuren hinterlassen wird.

In Polen scheint eine Wachstumsabschwächung unvermeidbar. Die ungarische Wirtschaftspolitik ist zu einer nachhaltigen Reduzierung des Budgetdefizits gezwungen, was zu einer Schrumpfung aller Sektoren führen wird. In Tschechien leiden die verarbeitenden Sektoren, vor allem der Automobilsektor. "Den stärksten Rückschlag erwarten wir uns bei der Ukraine. Auch Russland steht am Rande einer veritablen Schwächephase, hat aber die Ressourcen, seine Sanierung ohne Fremdhilfe zu entwickeln", so Brezinschek. Das reale BIP-Wachstum 2009 in Mitteleuropa wird auf 1,2 Prozent (2008: 4,7 Prozent), in Südosteuropa auf 2,5 Prozent (2008: 6,7 Prozent) und in den GUS-Staaten auf 0,6 Prozent (2008: 6,2 Prozent) geschätzt. Im nächsten Jahr sind höhere Wachstumsraten um gut einen Prozentpunkt zu erwarten.

Rückgang der Inflationsraten schafft Zinssenkungsspielraum

Eine positive Nebenerscheinung des Konjunktureinbruchs und der Rohstoffpreissenkung ist der drastische Rückgang der Inflationsraten, der fast überall Spielraum für Zinssenkungen eröffnet. Nur in Ländern mit akuter Währungsschwäche wie beispielsweise in der Ukraine, Russland und Rumänien könnte sich eine temporär restriktive Geldpolitik bemerkbar machen. Allerdings sorgen schlechtere Ratings und die anhaltende Risikoaversion für weiterhin hohe Renditespreads bei CEE-Anleihen, sowohl in Lokalwährung als auch bei Eurobonds.

Freundlicher Jahresausklang nach erneutem Börsentief erwartet

In fast allen Märkten rechnet man mit Gewinnrückgängen. Trotzdem sind auch CEE-Börsen betroffen, und zwar im Umfeld einer neuerlichen Verschlechterung der Konjunkturvorlaufindikatoren und globalen Aktienkursrückgängen. Die RZB Analysten rechnen daher mit einem Erreichen des zyklischen Börsentiefs im Verlauf des ersten Quartals.

"Mit langsamer Stimmungsaufhellung sollte das Gesamtjahr 2009 unter hohen Schwankungen von gut 30-40 Prozent einen freundlichen Jahresausklang bescheren", meint Brezinschek.

Die Schwäche der Energie- und Rohstoffpreise und die sich fortsetzende Rubelabwertung werden die russische Börse zunächst negativ beeinflussen. Die Schätzungen für Unternehmensgewinne 2009 werden von aktuell minus 16,9 Prozent weiter abnehmen. Bei einer Erholung der Energiepreise ist im zweiten Halbjahr beim RTS-Index wieder ein kräftiges Lebenszeichen zu erwarten.

Gewinnrevisionen in Österreich schon weit fortgeschritten

Bei den österreichischen Unternehmen sind die Gewinnanpassungen schon weiter fortgeschritten als beispielsweise bei den DAX Werten. Für die Gewinnerwartungen sieht Kuras bei den ATX Unternehmen für 2009 einen Rückgang von rund 20,2 Prozent. Die Kurse sind stärker gefallen als die Gewinnschätzungen. Trotz dieser markanten Gewinnrevision liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2008 bei 5,2 und 2009 bei 6,5. Dies enthält im Gegensatz zu anderen etablierten Börsenplätzen noch genügend Spielraum für weitere Ergebniskürzungen. Die bisher als positiv angesehenen Vernetzungen österreichischer Unternehmen in Osteuropa wirken sich nunmehr belastend aus.

ATX anfangs unter Druck - verstärkte Dynamik im zweiten Halbjahr

"Wenn sich die europäischen Konzerne den verschlechternden Rahmenbedingungen angepasst und ihre Prognosen auf realistische Niveaus abgeändert haben, kann der österreichische Aktienmarkt wieder Eigendynamik entwickeln", ist Kuras überzeugt. "Ende des ersten Quartals könnte sich der ATX (derzeit bei 1869) daher zwischen 1400 und 2000 Punkten einpendeln. Nach anhaltender Volatilität während des ganzen Jahres sollte er bis Ende 2009 von einer deutlichen Belebung der Aktiennachfrage profitieren und sich um 2300 Punkte bewegen", so Kuras weiter.

Unternehmen unterschiedlich beeinflusst

Die negativen Tendenzen haben sich auch bereits bei einigen zyklischen Unternehmen bemerkbar gemacht. So lieferten beispielsweise Mayr Melnhof und Wienerberger für das dritte Quartal schwache Ergebnisse. Relativ gut zeigte sich im dritten Quartal noch die Ergebnisentwicklung der Finanztitel. Kuras rechnet aufgrund von höheren Risikokosten und schwächeren Ostwährungen mit einem spürbaren Rückgang in den Folgequartalen.

Industriebetriebe konnten noch relativ gute Quartalszahlen präsentieren. "Hier", so Kuras, "sollte sich der Abschwung, der alle Wirtschaftsbereiche erfassen wird, im vierten Quartal 2008 stärker bemerkbar machen".

Empfehlungen

Die Analysten der RCB bleiben für das erste Quartal 2009 weiterhin defensiv aufgestellt. Er empfiehlt, relativ konjunkturunabhängige und dividendenstarke Unternehmen sowie ausgewählte Energietitel überzugewichten. Maxian nennt daher folgende Titel:

OMV

Die OMV sollte weiterhin von einem leichten Wachstum ihrer Märkte profitieren können, auch wenn in den westlichen Märkten mit einem Rückgang zu rechnen ist. Die vergleichsweise konservative Finanzierungsstruktur des Konzerns erachtet Maxian als Erfolgsfaktor für die nächsten Monate. Darüber hinaus geht Maxian davon aus, dass ein wieder stärkerer Ölpreis sowie ein schwächerer rumänischer Leu die Ertragsentwicklung der Gruppe positiv beeinflussen sollte.

Österreichische Post AG

Im aktuellen Kapitalmarktumfeld hält Maxian weiterhin an der Kaufempfehlung für die Aktie der Österreichischen Post fest. Mit einem Plus von 0,5 Prozent im vergangenen Jahr konnte die Österreichische Post den ATX (minus 61,2 Prozent) auch deutlich outperformen. Diese gegensätzliche Entwicklung zum Gesamtmarkt sollte auch in den nächsten Monaten anhalten. Aufgrund der defensiven Qualitäten der Aktie erwarten die Experten bei Marktrückgängen im Vergleich zum Gesamtmarkt eine deutlich stabilere Entwicklung.

CEZ

Der tschechische Energieversorger CEZ wird im Gegensatz zu westeuropäischen Stromerzeugern noch länger einen guten Teil seines CO2-Zertifikatsbedarf gratis zugeteilt bekommen. Maxian sieht darin einen Kostenvorteil für das Unternehmen. Zudem sollte der Strompreis gut unterstützt bleiben, da die Großhandelspreise von den Grenzkosten westeuropäischer Versorger getrieben werden. Außerdem erhielt das Unternehmen mehr Zeit, um die CO2-Intensität ihrer Kraftwerke zu senken. Bei einer Dividendenrendite von 6,3 Prozent und einer vergleichsweise günstigen Bewertung wird die CEZ als Top-Pick unter den Versorger-Titeln gewertet.

Telefonica O2 CR

Die Aktie der tschechischen Telefonica O2 CR verfügt über defensive Qualitäten. Gründe sind die Bilanz ohne Schuldenbelastung, ein positiver Free Cash Flow, außergewöhnlich hohen Margen sowie der erwarteten attraktiven Dividendenrendite (>10 Prozent). Darüber hinaus kann das Unternehmen aufgrund geringer regulatorischer Einschränkungen und den relativ guten wirtschaftlichen Bedingungen in der Tschechischen Republik in einem besseren Marktumfeld agieren als die Konkurrenz.

Asseco Poland

Grund für die Kaufempfehlung des Softwareproduzenten ist die positive Geschäftsentwicklung mit einem anhaltend starken Auftragseingang. Das unterstützt auch die Vielzahl an öffentlichen Aufträgen. Der hohe Anteil von rund 80 Prozent der IT Services am Konzernumsatz ist ein weiterer Vorteil.

Quelle: Pressemeldung Raiffeisen Zentralbank Österreich AG

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