Anleger profitieren bisher kaum von MiFID

28.11.2008 | Hannover
Gut ein Jahr nach dem Start der EUFinanzmarktrichtlinie

Zu diesem Ergebnis kam eine Expertenrunde im Rahmen der 450-Jahr-Feier der Hamburger Börse. "Die Kundenaufträge landen oft nicht am besten Börsenplatz", meinte Gastreferent Prof. Dr. Dirk Schiereck (TU Darmstadt). Grund sei die Handhabung der Kreditinstitute, nicht für jede einzelne Order die günstigsten Konditionen zu ermitteln. Prof. Dr. Schiereck kritisierte, dass die Ordervolumina nicht entsprechend der Qualität und dem Kostengefüge der Börsenplätze verteilt seien. "Vielmehr erhalten einige Börsen viel mehr Orders als sie unter dem Gesichtspunkt einer bestmöglichen Ausführung eigentlich bekommen sollten. Andere Börsen, beispielsweise in Hamburg, müssten aufgrund ihrer Ausführungsqualität bei der Auswahl in bestimmten Bereichen deutlich stärker bedacht werden." Banken erkennen bestmögliche Ausführung nicht als Wettbewerbsvorteil Nach Ansicht von Prof. Dr. Schiereck bleiben die Chancen für Anleger im Sinne einer besseren Orderausführung ungenutzt. Die bestmögliche Ausführungsqualität werde von den Instituten nicht als Wettbewerbsvorteil erkannt. Der Finanzexperte zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich der Nutzen einer Prüfung jeder Order (Order-by-Order-Politik) stärker durchsetzen und den Wettbewerb unter den Börsen verstärken wird. Dr. Thomas Ledermann, Geschäftsführer der Börse Hamburg, bestätigte, dass die Chancen der MiFID-Richtlinie zu wenig genutzt werden, um die Ausführungsqualität für Anleger zu erhöhen. Dabei nütze gerade der Wettbewerb unter den Börsen den Anlegern. "Präsenzbörsen wie die Börsen Hamburg und Hannover erweitern das Dienstleistungsspektrum durch neue Handelsmöglichkeiten und führen die Orders ihrer Kunden mit einer hohen Qualität aus", so Dr. Ledermann. Präsenzbörsen nicht von kurzfristig orientierten Eignern dominiert Außer durch eine hohe Qualität zeichnen sich Präsenzbörsen laut Prof. Dr. Schiereck auch durch ein breites Dienstleistungsspektrum aus. Diese Börsen hätten vorgemacht, wie man Nischenmärkte erschließe: Da sie nicht börsennotiert sind und nicht vom Gewinnstreben eher kurzfristig orientierter Anteilseigner abhängen, können sie auch margenschwächere Dienstleistungen etablieren. Eine besondere Leistung der Präsenzbörsen sieht Prof. Dr. Schiereck darin, dass sie einige Anlageformen überhaupt erst handelbar gemacht haben. "Sie bringen immer wieder neue Angebote für Privatanleger auf den Markt und sind damit wichtiger Innovationsmotor im Finanzbereich." Beleg für diese Auffassung ist neben dem Zertifikatehandel auch der Handel mit offenen und geschlossenen Fonds, der in Hamburg seinen Anfang genommen hat. An den Börsen Hamburg und Hannover sind mehr als 8.800 Wertpapiere gelistet, darunter Aktien, Anleihen, Options- und Genussscheine sowie Zertifikate. Zudem lassen sich über die speziellen Handelsplattformen offene sowie geschlossene Fonds handeln. Zu den Handelsteilnehmern der beiden Börsen zählen mehr als 150 in- und ausländische Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsunternehmen. Die Börsen Hamburg und Hannover erteilen keine Anlageempfehlungen und veröffentlichen ausschließlich produktbezogene oder allgemeine Informationen. Historische Wertentwicklungen sind keine geeignete Indikation für künftige Renditen.

Quelle: Pressemeldung BÖAG BÖRSEN AG

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