Aigner und Billen fordern verbrauchergerechten Finanzmarkt

13.03.2009 | Berlin
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner und der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen, haben anlässlich des Weltverbrauchertages am 15. März 2009 verbraucherfreundlichere Regeln für den Finanzmarkt gefordert. Notwendig seien ein verbesserter Anlegerschutz, einheitliche Standards für Finanzvermittler, mehr Transparenz bei Anlageprodukten sowie eine Stärkung der Finanzkompetenz von Verbrauchern.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner: "Die Finanzmarktkrise hat gezeigt, dass viele Verbraucher falsch beraten worden sind und Geld für die Altersvorsorge falsch investiert haben. Die Bundesregierung hat daher neue Regeln zum Anlegerschutz beschlossen. Viele berechtigte Ansprüche wegen fehlerhafter Beratung sind bislang daran gescheitert, dass die Fehler nicht nachgewiesen werden konnten oder die Ansprüche schon verjährt waren. Daher haben wir die Verjährungsfrist auf zehn Jahre verlängert und eine verbindliche Beratungsdokumentation eingeführt."

vzbv-Vorstand Gerd Billen: "Beim Anlegerschutz steckt der Teufel im Detail. Um Verbraucher durch Beweiserleichterungen effektiv vor Falschberatungen zu schützen, sind konkrete und einheitliche Standards für Beratungsprotokolle notwendig. Auch muss es spürbare Konsequenzen haben, wenn Vermittler Protokolle mangelhaft oder gar nicht ausfüllen. Außerdem ist das bestehende Vergütungssystem so zu verändern, dass sich für den Vermittler nur eine nachhaltige Kundenbeziehung lohnt."

Anlässlich des Weltverbrauchertages forderten Aigner und Billen langfristig einen verbrauchergerechteren Finanzmarkt. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Anlegerschutz sei ein erster Schritt. Jetzt müsse an einheitlichen Regeln für die Finanzvermittlung und -beratung gearbeitet werden, um Verbrauchern überall das gleiche Schutzniveau zu garantieren. Erforderlich sei mehr Transparenz hinsichtlich der Kosten und der Risiken bei Finanzprodukten. Für alle Finanzprodukte, auch die des Grauen Kapitalmarktes, müssten vergleichbare Regeln gelten. Doch es gehe nicht nur um die Anbieter und Vermittler von Finanzprodukten, auch die Finanzkompetenz der Verbraucher müsse verbessert werden, so Aigner und Billen weiter.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner stellte ein neues interaktives Internetportal zu Finanzmarktthemen vor, das vom Bundesverbraucherministerium und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen derzeit entwickelt wird. "Auf dieser Seite sollen Verbraucher Antworten auf häufig gestellte Fragen finden. Wir wollen einen Wegweiser für Depotinhaber anbieten sowie regelmäßige Chats mit Finanzexperten."

Außerdem wird es eine Checkliste für ein Bankberatungsgespräch geben, die von Verbrauchern herunter geladen werden kann. "Diese Checkliste soll Verbrauchern helfen, Bankmitarbeitern die richtigen Fragen zu stellen und so die gewünschten individuellen Auskünfte zu erhalten", sagte Ministerin Aigner. Die Checkliste steht ab dem 15. März 2009 unter Checkliste und Beratungsprotokoll für Verbraucher und unter www.vz-nrw.de/checkliste_geldanlage zur Verfügung.

Eine weitere praktische Orientierungshilfe für Finanzentscheidungen ist aus dem Gemeinschaftsprojekt der Bundesregierung "Altersvorsorge macht Schule" unter Mitarbeit des vzbv entwickelt worden: Der Verbraucherleitfaden für das richtige Verhalten beim Abschluss eines privaten Altersvorsorgevertrages. Das "Checkheft Altersvorsorge" kann sowohl auf der Internetseite www.bmelv.de als auch auf www.altersvorsorge-macht-schule.de herunter geladen und bestellt werden.

Der vzbv forderte zudem eine stärkere Verankerung der Finanzbildung in den Lehrplänen der Schulen. Erforderlich seien mehr Fortbildungen für Lehrer, entsprechende Arbeitsmaterialien und zusätzliche personelle Ressourcen. "Was wir benötigen, ist eine Bund-Länder-Strategie für finanzielle Bildung", sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Die Verbraucherzentralen stellen ihre Aktivitäten zum Weltverbrauchertag in diesem Jahr unter das Thema Finanzkompetenz von Kindern und Jugendlichen.

Quelle: Pressemeldung Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

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